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Arm und Reich für Umverteilung

Politik

Die Mehrheit spricht sich für Vermögenssteuern aus, unabhängig von Einkommen.


Einkommen und Vermögen sind hierzulande ungerecht verteilt. So sehen das rund 70 Prozent der 2.000 Menschen in Österreich, die im Rahmen einer Umfrage von Sora und dem der Arbeiterkammer nahestehenden Momentum Institut befragt wurden. Gegliedert wurden diese in drei Einkommensklassen: die unteren fünfzig, die mittleren vierzig und die obersten zehn Prozent. Und auch wenn das Unrechtsempfinden bei den unteren Einkommensschichten mit knapp drei Vierteln stärker ausgeprägt ist, sehen auch unter den obersten zehn Prozent fast sechs von zehn Befragten Luft nach oben in Sachen gerechte Verteilung von Einkommen. Für die Verringerung der Einkommensunterschiede sehen 84 Prozent die Politik "sehr" oder "ziemlich" stark in der Verantwortung. Dadurch zweifeln laut Momentum auch jene, die die Verteilung von Vermögen als ungerecht sehen, häufiger am Funktionieren des politischen Systems.

Knappe Mehrheit für Erbschaftssteuern

Überraschend klein sind die Unterschiede zwischen den drei definierten Klassen auch bei möglichen Maßnahmen zugunsten einer Umverteilung, die das Institut abfragen ließ. So befürworteten rund 80 Prozent der Befragten über alle Klassen hinweg eine Senkung der Steuern und Abgaben für Beschäftigte, dagegen nur rund ein Drittel für Unternehmer.

Weitgehend einig ist man sich auch, was die Einführung einer Vermögenssteuer betrifft: Hierfür sprachen sich jeweils gut sechzig Prozent in der obersten und untersten Klasse aus, in der mittleren sogar siebzig Prozent.

Etwas skeptischer, aber immer noch positiv, stehen die Österreicher der Umfrage zufolge einer Steuer auf große Erbschaften gegenüber. Rund die Hälfte der Befragten in den beiden oberen Klassen sprachen sich für eine solche aus, in der untersten waren es etwas weniger. "Die Menschen erkennen richtig, ich bin nicht vermögend", meint Leonhard Dobusch, wissenschaftlicher Leiter am Momentum Institut. Die Hoffnung, unverhofft zu erben, würde trotzdem bestehen, was die unterschiedlichen Zustimmungsraten erklären könnte.

Größere Klassenunterschiede gab es bei der Senkung der Steuer auf Lebensmittel: Sprachen sich rund 80 Prozent in der unteren und mittleren Einkommensschicht dafür aus, waren es in der obersten nur zwei Drittel.

Großen Konsens machte das Momentum Institut bei den Themen Arbeit und Soziales aus. Über alle Schichten hinweg befürworteten 80 bis 90 Prozent der Befragten die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in anstrengenden Berufen, die Erhöhung der Löhne in Branchen mit niedriger Bezahlung sowie Angebote für ältere Arbeitnehmer, gesund bis zur Pension arbeiten zu können.

Ambivalent ist das Verhältnis der Österreicher gegenüber Arbeitslosen. Zwar befürwortet die klare Mehrheit der Befragten mehr Geld für Umschulungen. Gleichzeitig stimmten ähnlich viele der Forderung nach strengeren Bestimmungen für Arbeitslose zu, damit diese schneller Arbeit annehmen. Der Zuspruch war hier mit 69 Prozent in der mittleren Einkommensschicht am höchsten, in der untersten mit 57 Prozent am niedrigsten. Gleichzeitig wünscht sich die Hälfte der Befragten mehr Unterstützung für Arbeitslose bei der Arbeitssuche.

Dagegen ist die Mehrheit gegen eine dauerhafte Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Ein Drittel der untersten, ein Fünftel der mittleren und ein Viertel der obersten Klasse befürworteten diese. Einmahlzahlungen für Menschen in Ausnahmesituationen stießen auf deutlich mehr Gegenliebe.

Die Forderung nach dauerhaft mehr Geld für Sozialhilfebezieher unterstützten in der untersten Einkommensschicht fast die Hälfte der Befragten, in der einkommenskräftigeren Hälfte dagegen nur ein gutes Drittel.

Misstrauen gegenüber Arbeitslosen

Die Antworten offenbaren laut Dobusch ein gewisses Misstrauen gegenüber Arbeitslosen: "Man kann sehen, welches Menschenbild hier dahinter steht. Wer ernsthaft Arbeit sucht, den soll man unterstützen. Aber nicht zu viel - weil vielleicht will er dann nicht mehr arbeiten."

Weniger streng sind die Österreicher mit Älteren: Strengere Bestimmungen, damit diese bis zum gesetzlichen Pensionsantritt arbeiten, fordern je nach Einkommen zwischen 23 und 39 Prozent, wobei sich Besserverdiener eher dafür aussprachen.(vis)