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Armutsbekämpfung im Luxus von Dubai

Von Christiane Oelrich

Wirtschaft

In den glitzernden und gekühlten Hotelpalästen von Dubai ist von Armut nichts zu spüren. Im "Burj al Arab", dem einzigen Sieben-Sterne-Hotel der Welt auf einer künstlichen Insel vor der Küste, wird der hemmungslose Luxus gelebt, den das Emirat in den vergangenen 30 Jahren aus dem Wüstenboden gestampft hat. Die Suiten ab 170 m² und im Sonderangebot für 800 Euro die Nacht sind während der Weltfinanzkonferenz in diesen Tagen ausgebucht. Der Kontrast zwischen diesem | Leben und dem Hauptthema der Konferenz, der Armutsbekämpfung, könnte krasser kaum sein.


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Ein Fünftel der Weltbevölkerung, rund 1,2 Mrd. Menschen, müssen nach Angaben der Weltbank mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. 45 Mill. Menschen werden sich in den nächsten sieben Jahren mit dem Aids-Virus anstecken. Die Millennium-Ziele der UNO - Halbierung der Armut bis 2015, Grundschulbesuch für alle Kinder der Welt, Reduzierung der Kindersterblichkeit auf ein Drittel - sind in weite Ferne gerückt. Das Scheitern der Welthandelskonferenz vor gut einer Woche im mexikanischen Cancún hat das Thema Armutsbekämpfung bei der Jahrestagung vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Dubai umso dringlicher gemacht. Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul fordert noch größere Anstrengungen für eine alternative Finanzierung der Armutsbekämpfung.Vor mehr als 40 Jahren versprachen die Industrieländer, ihre Entwicklungshilfe auf 0,7% des Bruttoinlandsprodukts auszuweiten - die armen Länder warten darauf bis heute. In Deutschland liegt der Anteil zur Zeit bei gut 0,3%. So kommt die Bildungsinitiative der Weltbank nicht vom Fleck. "Weil die reichen Länder ihre Mittelzusagen nicht einhalten, sind sie dafür verantwortlich, dass 115 Mill. Kinder weltweit nicht in die Schule können und damit im Teufelskreis der Armut stecken bleiben", sagt der Sprecher der britischen Hilfsorganisation Oxfam, Oliver Buston. Die niederländische Regierung stellte in Dubai 2,5 Mrd. Euro für die Bildungsinitiative zur Verfügung - bei aller Großzügigkeit ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Königsweg sollte eigentlich der Ausbau des weltweiten Handels sein. "Win-win" nennt man das auf Neudeutsch, jeder gewinnt: die Märkte werden geöffnet, Industrieländer können in aller Welt investieren, und die armen Länder bringen ihre Produkte auf dem Weltmarkt unter und ziehen sich mit wachsenden Exporten damit selbst aus der Armutsfalle. Dass die Handelsrunde in Cancún unter anderem an der Weigerung der reichen Länder scheiterte, ihre Agrarsubventionen massiv zu senken, hat diese Hoffnung nun erheblich gedämpft. "Die Subventionen für eine europäische Kuh liegen im Durchschnitt höher als das Gesamteinkommen mancher Afrikaner", sagt Weltbank-Präsident James Wolfensohn. "Der Handel ist der Dreh- und Angelpunkt, der über den Erfolg der globalen Armutsbekämpfung entscheidet." Ein Abbau von Handelsbarrieren würde nach einer Studie der Weltbank weltweit 520 Mrd. Dollar zusätzliche Einkommen bedeuten. "Die Wiederaufnahme der Handelsgespräche ist entscheidend für weltweites Wirtschaftswachstum und den Kampf gegen die Armut", sagen auch die Finanzminister der sieben wichtigsten Industrieländer (G7) in Dubai. IWF und Weltbank haben in Dubai beschlossen, mit einem Dringlichkeitsschreiben direkt an die Regierungschefs ihrer 184 Mitgliedsländer mehr politischen Willen zu einem Abschluss der Handelsrunde einzufordern.