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Arpad Göncz feiert seinen 80er

Von Gregor Mayer

Politik

Freundlich, direkt und am Gegenüber ernsthaft interessiert - so ging Arpad Göncz in den zehn Jahren als ungarischer Staatspräsident auf die Menschen zu. Ob im Plausch mit Lehrlingen bei einem Fabrikbesuch, im Gespräch mit Künstlern oder im Interview mit Journalisten: Stets trat das Formale des hohen Amtes rasch in den Hintergrund, wirkte der Politiker durch seine Persönlichkeit. Arpad Göncz, Ungarns erstes frei gewähltes Staatsoberhaupt, im Volksmund liebevoll "Arpi bacsi" (Onkel Arpi) genannt, wird an diesem Sonntag 80.

Als junger Mann und eben promovierter Jurist kämpfte Göncz im Widerstand gegen die Deutschen, wobei er verwundet wurde. Während des Volksaufstandes von 1956 war er Sekretär des radikal-demokratischen Vordenkers Istvan Bibo und Staatsminister in der Revolutionsregierung von Imre Nagy. Nach der Niederschlagung des Aufstands von der kommunistischen Justiz zu lebenslanger Haft verurteilt, kam er 1963 im Rahmen einer Amnestie frei.

In der Haft lernte er Englisch, so dass er nach seiner Entlassung als freier Übersetzer - unter anderem von Hemingway, Faulkner und Tolkien - arbeiten konnte. Daneben schrieb er selbst Erzählungen, Dramen und einen Roman. 1989 war er Mitbegründer des liberalen Bundes Freier Demokraten. 1990 wählte ihn das ungarische Parlament in den ersten freien Wahlen zum Staatspräsidenten. 1995 wurde er für eine zweite und letzte Amtszeit wiedergewählt.

In den stürmischen Kinderjahren der jungen ungarischen Demokratie scheute sich Göncz nicht, seine beschränkten Befugnisse als Staatspräsident voll auszuschöpfen. Im Herbst 1990 verhinderte er, dass die Regierung eine Blockade unzufriedener Taxifahrer mit Gewalt auflöste. Später weigerte er sich, die politisch motivierte, willkürliche Absetzung der Intendanten von Rundfunk und Fernsehen zu unterzeichnen. Seine Sorge galt der Integrität des demokratischen Prozesses, aber zunehmend auch dem Los der Wende-Verlierer. Der über den Parteien stehende Staatspräsident sei "notwendigerweise ein Fürsprecher derer, denen niemand dient, deren Fähigkeit zur Durchsetzung ihrer Interessen gering ist", bilanzierte er rückblickend in einem Zeitungsinterview.

Göncz, der verheiratet ist und vier Kinder hat, blieb nach dem Ablaufen seiner zweiten Amtszeit im Sommer 2000 gesellschaftlich aktiv. Er wirkt als Präsident der Istvan-Bibo-Gesellschaft, die das Andenken an diesen bemerkenswerten Theoretiker und Politiker pflegt, sowie der Stiftung "Ungarn in Europa", die jährlich einen Literaturpreis verleiht.