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Artige Doku-Soap

Von David Axmann

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Der Begriff "Soap opera" ist bekanntlich schon in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA geprägt worden. Damals wurden im Radio dramatisierte Fortsetzungsgeschichten, genauer gesagt: melodramatische Hörspielserien, gesendet, die sich großer Beliebtheit erfreuten, besonders bei Hausfrauen, die ein offenes Ohr für Herz-und-SchmerzStorys hatten.

Solche Sendungen waren ein bevorzugter Ort für Werbeeinschaltungen, welche vornehmlich Wasch- und Reinigungsmittel anpriesen, also die sentimentale "Opera" mit "Soap"-Reklame durchmischten. Als dann das Fernsehen begann, die Welt zu erobern, nahm es das Seifenoper-Genre mit auf seinen Siegeszug, und zwar in der 1. Klasse. arte-TV hält sich bekanntlich für einen Kultursender, und tut das aus guten, stichhaltigen Gründen. Doch kein einziger ebensolcher fällt einem ein, der es rechtfertigen würde, dass der Sender den Begriff "Doku-Soap" ins Programm genommen hat. Zumal die so bezeichnete Dokumentation über die Dreharbeiten zu Claude Lelouchs jüngstem Film durchaus "seifenfrei" geartet ist.

Tatsächlich zeigt sie genau das, was man üblicherweise unter dem Titel "Making of" zu sehen bekommt. Man sieht also, unter welchen Umständen und Anstrengungen der Film "Les Parisiens" entstanden ist, sieht einen aufschlussreichen Film übers Filmemachen - und ertappt sich manchmal (wenn nämlich eine Szene ziemlich gestellt wirkt) bei der leisen Frage, ob eine "Doku" wirklich nur in "Echtzeit" gedreht wird.