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Ärzte planen Proteste

Von WZ Online

Politik

Internet-Aufruf an Rauch-Kallat | Nach den deutschen Ärzten planen auch die österreichischen Mediziner Proteste. Sie beklagen neben Einsparungen durch die Politik vor allem eine überbordende Bürokratie und werden demnächst über Protestmaßnahmen beraten. Dazu wurde von der Ärztekammer für 23. Juni ein Delegiertentag in Graz einberufen. Er steht unter dem Motto: "Gefesselte Medizin - Spart uns nicht krank."


Zu der Veranstaltung werden mehr als 300 Delegierte aus ganz Österreich erwartet. Dabei handelt es sich nach Angaben der Ärztekammer in erster Linie um eine Informationsveranstaltung. Es gehe darum, den Unmut unter der Ärzteschaft zu kanalisieren. Dass dabei weitere Maßnahmen beschlossen werden, sei aber nicht auszuschließen. Streiks der Ärzte wie in Deutschland stünden aber nicht zur Debatte.

"Durch die Gesundheitsreform ist eine wahre Flut neuer bürokratischer Auflagen und Vorschriften auf die Ärzteschaft niedergegangen. Ärztinnen und Ärzte müssen sich in einer nie da gewesenen Form mit Protokollen und Dokumentationen für ihr Tun rechtfertigen und Tätigkeiten von Sekretärinnen und Bürogehilfen übernehmen", beklagt dazu Ärztekammer-Präsident Reiner Brettenthaler. "Verwaltungsaufgaben ohne sachlich medizinische Notwendigkeit sind aber die größten Zeitfresser bei der ärztlichen Tätigkeit. Leidtragende sind die Patienten, für die es immer weniger Zeit gibt. Dagegen wehren wir uns. Wir fordern einen Bürokratiestopp und den Abbau sinnloser und kontraproduktiver Bürokratieschikanen", so Brettenthaler.

Unter der Adresse www.buerokratiestopp.at können nicht nur Ärzte sondern auch Patienten einen Aufruf zum Bürokratie-Stopp an die Verantwortlichen in den Kassen und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) unterstützen. Auf dieser Homepage sind auch Beispiele für den "Bürokratie-Tsunami" von Ärzten nachzulesen. So beklagt etwa ein Mediziner aus Enns, dass für eine Operation von zehn Minuten ungefähr 30 Minuten "Zettelausfüllerei" notwendig seien.

Der Protest der Ärzte richtet sich laut der Einladung zum Delegiertentag aber nicht nur gegen die überbordende Bürokratie, sondern auch gegen "schlechte Arbeitsbedingungen", eine "steigende Belastung für Ärzte" sowie "nicht eingehaltene politische Versprechen". Brettenthaler kritisiert aber auch "nicht akzeptable Limitierungen". So seien etwa die Kosten für ärztliche Gespräche mit Ausnahme der Eisenbahner-Kasse bei den Fachärzten mit elf Prozent und bei den Allgemeinmedizinern mit 18 Prozent gedeckelt. Für den Ärztekammer-Präsidenten ist es "eine untragbare Situation, dass die Sozialversicherung nur jedem fünften bzw. jedem zehnten ein ärztliches Gespräch zugesteht."

In Anschluss an den Delegiertentag findet in Graz der Ärztekammertag statt. Diese Vollversammlung des Ärzteparlaments wird zwei Mal jährlich abgehalten.