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Ärztezentren sollen Spitäler bei Ambulanzfällen entlasten

Von Daniela Wehlend

Wissen

Die Ärztekammer will die aus der Gesundheitsreform zur Verfügung stehenden Gelder in Höhe von bis zu 260 Mio. Euro für den Aufbau von "Ärztezentren" verwenden. Dagegen stehen die Interessen der Länder, das Reformbudget zur Abdeckung momentan vorhandener Spitalsdefizite zu verwenden.


"Ziel der Gesundheitsreform ist es unter anderem, die Spitäler um 50 Prozent der Ambulanzfälle zu entlasten", meinte Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Das gestern, Mittwoch, von der ÖÄK präsentierte Reformmodell "Ärztezentren neu" soll beitragen, dieses Ziel zu realisieren.

Konkret will die ÖÄK den zwei Standbeinen des österreichischen Gesundheitswesens ein drittes hinzufügen. Zusätzlich zu Arztpraxen und Krankenhäusern sollen "Ärztezentren" errichtet werden, die künftig als Schnittstelle zwischen Spitälern und Ärzten fungieren. Dadurch könnte man Behandlungen, die aufgrund des Aufwands in einer Praxis nicht möglich sind, aber auch keine stationäre Behandlung erfordern, aus den Krankenhäusern auslagern. "Ziel ist die Konzentration der Spitäler auf stationäre Patienten", erklärt der Obmann der "Bundeskurie Niedergelassene Ärzte", Jörg Bruckner.

"Die Ärztezentren sollen nicht mit Fachärzten konkurrieren, sondern deren Leistungen ergänzen", so Bruckner weiter. Angestrebt wird ein Servicemodell von 24 Stunden, die Überweisung erfolgt durch den Facharzt. Personell würden die Ärztezentren sowohl mit Spitalsärzten, als auch mit Niedergelassenen besetzt, die Anzahl tätiger Ärzte pro Zentrum schätzt Brettenthaler auf "drei bis fünf". Genauere Pläne gebe es allerdings noch nicht. Als Geschäftsform präferiert die ÖÄK eine GesmbH, das Honorar der dort angestellten Mediziner soll aus Reformgeldern gestellt werden.

Tauziehen um Geldmittel

Zur Finanzierung der Auslagerung wurde vom Bund ein "Reformpool" eingerichtet. Die Dotierung beträgt je 130 Mio. Euro in diesem und im nächsten Jahr, sowie jeweils 260 Mio. Euro für die Jahre 2007 und 2008. Die Ärztekammer befürchtet allerdings, dass einige Landesspitäler fachärztliche Praxen als "Ärztezentren" unter ihr eigenes Dach legen, um an die Gelder aus dem "Reformpool" zu kommen.

"Das steht im Gegensatz zum Regierungsprogramm, welches auf Vertiefung der medizinischen Betreuung im lebensnahen Umfeld abzielt", kritisiert Brettenthaler und droht mit "massivem Widerstand der Ärztekammer", falls die Länder ihre Pläne verwirklichen wollen.

Brettenthaler argumentiert weiters, dass ein ambulanter Behandlungsfall im Krankenhaus im Durchschnitt 179 Euro an Kosten verursache, in einem Ärztezentrum aber nur 100 Euro. "Im Jahr 2002 gab es rund 4,5 Millionen Ambulanzfälle", rechnet er weiter vor, "das bedeutet mögliche Einsparungen in Höhe von 210 Millionen Euro".