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ASFINAG braucht Lkw-Maut

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Die ASFINAG (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs AG) blickt auf ein Rekordjahr zurück. Das Investitionsvolumen lag mit 5,7 Mrd. Schilling extrem hoch, dieser Wert soll mit 8 Mrd. Schilling heuer sogar weit übertroffen werden. Ein heikler Punkt angesichts der enormen Asphaltiertätigkeit ist die Finanzierung, betont Vorstandsdirektor Engelbert Schragl. Allein die Zinsenlast betrug im vergangenen Jahr 3,9 Mrd. Schilling, die Neuverschuldung wuchs auf 14 Mrd. an und wird heuer die 20-Milliarden-Schilling-Marke erreichen.


Der Verlust, der sich in der Bilanz 2000 zu Buche schlägt, beträgt 1,3 Mrd., liegt damit aber für den Vorstand erfreulicherweise unter der erwarteten Zahl von 1,7 Mrd. Schilling. Die Eigenmittel der Gesellschaft belaufen sich auf 4,2 Mrd., die Gesamtschulden betragen mittlerweile 90 Mrd. Schilling. Mit solch einem Büttel am Rücken erschwert die Verschiebung der Lkw-Maut das Abtragen des Schuldenbergs. Im Herbst 2000 wurde das Projekt Lkw-Maut abgebrochen, weil der Gesetzgeber von der dualen Bemautung mit Hütten Abstand nahm und sich auf die vollelektronische Variante einschwor. Der Asfinag entgehen pro Jahr rund 3 Mrd. Schilling Zusatzeinnahmen, erklärte Vorstandsdirektor Bernhard Engleder gestern vor Journalisten. Trotz allem hoffen die beiden Vorstände, dass der Verlust, der durch die Verschiebung verursacht wurde, in sieben Jahren kompensiert ist. Mittlerweile buhlen acht Konsortien um die Installierung des Mautsystems, fünf von ihnen werden in die engere Wahl kommen. 2003 sollte der Betrieb funktionieren. Die Bietersuche erfolgt im offenen Wettbewerb, nur wenige Kriterien sind festgeschrieben.

Der Rückzug von der "Dualität" kommt teuer: Im abgelaufenen Jahr mussten auf Grund der Systemänderung 323 Mill. Schilling effektiv abgeschrieben werden, weil sie in "unbrauchbare Planung" investiert wurden. Fünf Beschwerdeverfahren - darunter drei Baufirmen - sind bei der Bundesvergabekontrollkommission anhängig. "Dafür mussten Rückstellungen in ausreichendem Maße gemacht werden", betont Schragl. Diese betragen in Summe mehr als 200 Mill. Schilling. Die positive Aussicht auf längere Zeit für Engleder: In sieben bis zehn Jahren kann mit dem Schuldenabbau begonnen werden.

Ein Fakt, mit dem sich Direktor Schragl nicht mehr herumschlagen muss, er will noch dieses Jahr aus seiner Funktion ausscheiden. Bis Mitte Juli läuft die Ausschreibung für beide Vorstandsposten. Doch Engleder, der sich für eine neue Amtszeit bewirbt, zeigt sich zuversichtlich, dass er wiederbestellt wird: "Ich gehe davon aus, dass nur die fachliche Qualifikation zum Tragen kommt."