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Asfinag klagt Autostrade

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Der Kampf um die Lkw-Mautgesellschaft Europpass wird nun vor Gericht ausgetragen. Die heimische Autobahngesellschaft Asfinag hat die Klage gegen die italienische Autostrade - Europas größten Autobahn- und Mautbetreiber, der zum Imperium des Benetton-Konzerns gehört - eingereicht. Der strittige Punkt ist der Preis. Während Autostrade deutlich mehr als 200 Mio. Euro verlangt, will die Asfinag weit weniger bezahlen.


Schon seit Dezember läuft ein Schlichtungsverfahren in dem sich Asfinag und Autostrade über die Europpass zu einigen versuchen - allerdings ohne Erfolg. Bis dato ist Autostrade noch zur Gänze Eigentümerin von Europpass, deren Wert auf 750 Mio. Euro geschätzt wird.

Asfinag-Finanzvorstand Christian Trattner hält es jedoch für strategisch richtig die "Kassa-Stelle für die Maut", wie er die Europpass bezeichnet, in die neu gegründete Mautservice-Gesellschaft einzugliedern. Dies schien ihm aufgrund des vor drei Jahren mit Autostrade geschlossenen Vertrags leicht möglich.

Darin war laut Trattner genau vereinbart, wie viel die Asfinag zu zahlen habe. Doch die Italiener wollen mittlerweile mehr Geld für die Europpass. Wissen sie doch, dass die Österreicher eigene Pläne hecken, um ein Mautsystem auch in anderen Staaten auf die Beine zu stellen. So will die Asfinag bei bevorstehenden Ausschreibungen in der Slowakei, Tschechien und Kroatien mitbieten. Sie wird damit Konkurrent des Noch-Partners Autostrade, der soeben um einen Großauftrag in Großbritannien rittert. Zwar braucht die Asfinag die Europpass für die Bewerbungen nicht, doch wäre die alleinige Verfügungsgewalt über den Mauteinheber aufgrund des Zugangs zu den Daten eine Erleichterung bei künfigen Projekten. Für die Auslandsaktivitäten wurde die Asfinag Verkehrsinfrastruktur Beteiligungs-GesmbH gegründet. Die neue Tochter soll im Verband mit Baufirmen, Banken und Technologiefirmen auftreten.

Die beiden Streitparteien hoffen aber nach wie vor auf eine außergerichtliche Einigung. Heute, Dienstag, sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Denn ein Gerichtsverfahren könnte zwischen drei und fünf Jahre dauern. Die Asfinag hält ihr Angebot von weniger als 200 Mio. Euro für fair, da zusätzlich noch die Schulden für die Errichtung des Mautsystems in Höhe von 200 Mio. Euro übernommen werden müssen.