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Asien wird zum Damoklesschwert Von Wolf Pampel,

Von Frankfurt

Wirtschaft

Die Wirtschaftskrise in Asien mit wankenden japanischen Banken, Turbulenzen um den schwächelnden Rubel und deutliche Zinssteigerungen in Lateinamerika · rund um den Globus braut sich eine | gefährliche Mischung zusammen. "Bereits 38% der Weltwirtschaft stecken in der Rezession", bilanzieren Research-Experten der Deutschen Bank.


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"Man kann nur hoffen, daß die Konjunkturlokomotive USA in Schwung bleibt und ,Euroland` die Lasten der Asienkrise tragen kann", meint der Leiter für Internationale Konjunktur bei DB Research,

Peter Cornelius.

Inzwischen wird sogar befürchtet, Moskau könne seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das russische Bankensystem steht zudem vor großen Verlusten, weil die Staatsanleihen ständig

an Wert verlieren. "Der Westen muß sich auch aus politischen Gründen um Rußland kümmern", fordert der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm. Das Land benötige in der aktuell schwierigen Phase

vor allem Expertenwissen.

Unter allen Gefahrenherden zeigt sich aber immer schärfer die japanische Bankenmisere als schlimmstes Bedrohungspotential. Umgerechnet 1,28 Bill. DM (9 Bill. Schilling) Problemkredite stehen nach

einer Auflistung der Hamburgischen Landesbank in den Bilanzen der 19 größten Geldhäuser Japans. Dieser Sprengstoff hat die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt in einen Teufelskreis katapultiert:

Japanische Banken bekommen wegen ihrer angeschlagenen Bonität international kein frisches Geld.

Entsprechend stockend ist die Kreditvergabe an die heimische Wirtschaft. In der Folge gibt es reihenweise Konkurse und Entlassungen, womit die kränkelnde Binnennachfrage schrumpft und das Volumen der

faulen Kredite weiter wächst.

Die bereits eingetretene Rezession in Japan speist sich somit von selbst. "Ohne Auffangnetz könnte der Zusammenbruch einer Großbank nicht nur einzelne Schuldner, sondern ganze

Unternehmenskonglomerate in massive Finanzprobleme stürzen", mahnt die Hamburgische Landesbank.

Selbst nach Darstellung der japanischen Zentralbank wird sich die Krise weiter verstärken. Auch das Regierungsprogramm zur Stimulierung der Wirtschaft werde kaum die versprochene Besserung bringen,

heißt es dort im jüngsten Monatsbericht.

Die Kapitalabflüsse erreichen mittlerweile ungewohnte Dimensionen. Die Kapitalexporte verdoppelten sich in den ersten sechs Monaten auf 11,8 Bill. Yen (1,03 Bill. Schilling). Entsprechend stark

bleibt der Druck auf die japanische Währung, die seit Ende 1997 bereits mehr als 14% gegen die D-Mark und den Schilling an Wert verloren hat.

Der Virus der Asienkrise ist aber längst auf andere Regionen übergeschwappt. Weltweit werden aufstrebende Länder (Emerging Markets) in Mitleidenschaft gezogen: "Wir müssen deshalb von einer Krise der

Emerging Markets sprechen", sagt Cornelius. Die schwachen Kandidaten seien bereits Opfer der weltweiten Spekulation. In zahlreichen lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien, Brasilien, Venezuela

und Mexiko gehe die Kapitalverzinsung deutlich in die Höhe.

Der Geschäftsführende IWF-Direktor Michel Camdessus hat wegen der Asienkrise bereits die 98er Wachstumprognose für die Weltwirtschaft von 4,25 auf unter 3% zurückgenommen.dpa