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Asien zieht Banker an

Von Georg Friesenbichler, Peking

Wirtschaft

China sei einer der am stärksten und am schnellsten wachsenden Wirtschaftsmärkte der Welt, begründete der Auslands- | chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Herbert Stepic, am Mittwoch in Peking, warum dem China-Besuch von Bundespräsident Thomas Klestil in wirtschaftlicher Hinsicht so große Bedeutung zukommt. RZB und Bank Austria (BA) rittern darum, wer im lukrativen Bereich der Exportunterstützung den größeren Marktanteil gewinnt.


Klestil nahm am Mittwoch zusammen mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, und RZB-Chef Walter Rothensteiner die offizielle Eröffnung der RZB-Filiale in Peking vor. Am Nachmittag wurden 26 Verträge für 22 Firmen unterzeichnet, wobei das neue AT&S-Werk nahe Shanghai den größten Brocken zum 4,4 Mrd. Schilling-Paket beiträgt. Der größte Teil der von den Verträgen erfassten Kunden wird von der Bank Austria betreut.

Die Konkurrenz zwischen den beiden österreichischen Banken ist also hart, auch wenn Robert Fleischmann von der BA die RZB einen "friendly competitor" nennt, mit dem man auch ab und zu zusammen arbeite. Mit 1,2 Mrd. Euro an Exportfinanzierungen für China - das sind über 10% des BA-Gesamtvolumens in diesem Bereich - ist die BA "noch vorne", und natürlich hofft man, diese Spitzenposition zu halten. Die Strategie ist allerdings eine andere: An eine Filiale in Peking ist nicht gedacht, die Kunden werden weiter von Österreich aus betreut.

Die RZB hingegen ist stolz, als erstes österreichisches Unternehmen eine Bankenlizenz bekommen zu haben und sieht dies als Wettbewerbsvorteil. Bewusst hat man Peking gewählt, weil dort der Konkurrenzdruck nicht so groß sei wie etwa in den Sonderwirtschaftszonen Chinas - dort gibt es bis zu 60 ausländische Banken. Peking signalisiert als zweite Filiale nach Singapur zusammen mit fünf Repräsentanzen in anderen Ländern - erst kürzlich wurde jene in Seoul eröffnet - den Willen der Raiffeisen-Banker, Asien als neuen Markt auszubauen. Die Expansion in Zentral- und Osteuropa - auch dort ist die BA der größte Konkurrent - scheint vorläufig abgeschlossen. Mit der dort erreichten Stellung wollen die beiden Banken nun auch die geschäftlichen Verbindungen zwischen Osteuropa und Fernost ausbauen.

Die RZB-Filiale ist auch ein Zeichen der Hoffnung auf eine weitere Öffnung Chinas. Zwar ist der WTO-Beitritt des Landes durch die "aktuellen Geplänkel mit den USA" (Stepic) etwas in den Hintergund gerückt, aber der RZB-Auslandschef erwartet sich in jedem Fall eine anhaltende Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung.

Mit dem Aufschwung, glaubt der Banker, ließen sich auch Revolutionen wie in Osteuropa und ihre "schädigenden Nebeneffekte" vermeiden. Eine derartige stabile Situation könnte längerfristig dazu führen, dass schrittweise auch die ärgsten Nachteile der ausländischen Banken abgebaut werden, nämlich die derzeitig gegebene Einschränkung der Geschäftsfelder. Wenn das Privatkundengeschäft möglich werden sollte und eventuell sogar die Privatisierung der Staatsbanken in Angriff genommen wird, dann sei die RZB schon da.