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Assad befestigt letzte Bastion

Von Michael Schmölzer

Politik

Fataler Angriff der Armee auf Zivilisten fordert dutzende Todesopfer.


Damaskus. Präsident Bashar al-Assad und seine Getreuen haben damit begonnen, die Region um die Städte Tartus und Latakia zur Festung auszubauen. Die Anhänger des wankenden Regimes kehren der umkämpften Hauptstadt Damaskus den Rücken und ziehen sich in die ruhige Gegend an der Mittelmeer-Küste zurück, wo regimetreue Alawiten - also Angehörige jener religiösen Gruppe, der auch Assad angehört - die Mehrheit stellen. Sollte Damaskus in die Hände der Rebellen fallen, dann wird Tartus Zentrum der letzten Bastion Assads und seiner Militärs.

Die "New York Times" berichtet, dass die Grenzen eines Assad-Rumpfstaats bereits abgesteckt werden. Sicherheitskräfte haben eine durchgängige Linie von Checkpoints rund um das Territorium gezogen. Zudem wird das Gebiet durch topografische Eigenheiten vom Rest des Landes getrennt. Östlich von Tartus ragt ein steiles Gebirge auf, der Fluss Orontes bildet eine weitere natürliche Barriere. Alle Straßen, die in die Berge führen, werden von Kontrollposten scharf bewacht. "Diese Region ist für das Regime wichtiger als Damaskus", meint ein Rebellen-Führer. "Wenn wir dort Kontrollposten bombardieren, sind sie binnen weniger Stunden ersetzt." Auf einer Strecke von nur knapp 100 Kilometern soll die Armee 40 Checkpoints unterhalten. Viele alawitischen Offiziere in Assads Armee haben ihre Familien an die Küste gebracht, deshalb verteidigt die Armee das Gebiet mit besonderer Verbissenheit. Die Rebellen vermuten zudem, dass das Regime dort Waffen bunkert.

Zwischen Tartus und Lakatia herrscht Ruhe vor dem Sturm. Vom Krieg, der im ganzen Land tobt, ist hier noch nichts zu spüren. "Wenn man nach Tartus kommt, ist es so, als würde man in ein anderes Land reisen", sagt ein syrischer Journalist. Die Menschen würden dort das Leben genießen und die Verteidigung der Armee überlassen. Die Alawiten - meist Angehörige der Oberschicht - leben in abgeschotteten Kolonien und kommen kaum aus ihren Siedlungen heraus. Beruhigend ist auch, dass sich in Tartus ein russischer Flottenstützpunkt befindet. Im Notfall könnten die Russen Assad und seine Familie evakuieren - auch wenn Moskau zuletzt ausgeschlossen hat, dem Diktator Asyl zu gewähren.

Neuer Flughafen

Das Regime denkt schon weit in die Zukunft. So wurden offiziell Pläne verkündet, den kleinen Flughafen in Tartus zu einem großen zivilen Airport auszubauen, um sichere Bedingungen für Reisende, Geschäftsleute und Materialtransport zu schaffen, wie es in einer Mitteilung der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana heißt. Der internationale Flughafen in Damaskus ist schon längst nicht mehr sicher. Das mussten zuletzt zwei österreichische UN-Blauhelmsoldaten am eigenen Leib erfahren. Sie wurden am Weg zum Flughafen angeschossen. Die meisten internationalen Fluglinien, auch die arabischen, meiden Damaskus.

Blutbad in Halfaya

Assad führt unterdessen seinen Überlebenskampf immer rücksichtsloser. Bei einem Luftangriff auf die Stadt Halfaya nahe Homs wurden dutzende Zivilisten getötet, in einigen Berichten ist sogar von 200 Toten die Rede. Die Menschen standen vor einer Bäckerei Schlange und wurden von dem Angriff überrascht.

Die Nato und Russland gehen mittlerweile von einem Zusammenbruch des syrischen Regimes in den nächsten Monaten aus. Gleichzeitig macht sich im Westen die Sorge breit, dass radikale Islamisten das Kommando übernehmen könnten. Im Norden Syriens und im Großraum Damaskus macht sich die Al-Nusra-Front breit, die einen Gottesstaat errichten will und von den USA als terroristisch eingestuft wird. Offenbar bereiten sich französische und US-amerikanische Eliteeinheiten an der jordanisch-syrischen Grenze auf Kommandoeinsätze in Syrien vor. Sie sollen Chemiewaffenlager vor Plünderungen durch Islamisten schützen.