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Athener Festspiele mit einer Klamotte als Renner

Von Werner Stanzl

Gastkommentare
Werner Stanzl ist Publizist und Dokumentarfilmer.

Eine perfide Posse könnte sich zum Blockbuster der Saison hochrappeln. Mit den Deutschen in ihrer Paraderolle des zahlenden Naiven.


Durchaus amüsant war der jüngste Auftritt von Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis. Der Osterzeit angepasst, legte er der IWF-Chefin Christine Lagarde ein Überraschungsei ins Nest. Der Clou des Präsents: das Versprechen, Griechenland werde seine Schulden bezahlen. Das europäische Publikum reagierte erfreut. Von griechischen Zahlungsversprechen kann es trotz offensichtlicher Wertlosigkeit scheinbar gar nicht genug bekommen.

Wer aber die Frage nach dem "Wie" (wie zahlen?) stellte, dem wurde eine Rechnung aufgemacht. SS-Horden und reguläre Wehrmachtsangehörige metzelten Frauen und Kinder nieder und karrten Goldbarren der griechischen Nationalbank in Richtung Berlin. Nach Athener Fazit gegenzurechnen mit 278,7 Milliarden Euro an Reparationen.

An diesem Punkt ist Mitleid mit den deutschen Nachkriegsgenerationen angesagt. Nicht nur übernehmen sie für die zahlungsunfähigen Griechen Bürgschaften von mehr als 60 Milliarden Euro und bekommen dafür den sprichwörtlichen Häuslbesen voll ins Gesicht, nein, die mit Tiraden gespickten Forderungen nach Kriegsentschädigungen sind Teil einer perfiden Vorausplanung, um der radikal links und radikal rechts ausgerichteten griechischen Regierung endlich Punktesiege zu bringen.

Die Etappen: Griechenland wird die Schulden an den Internationalen Währungsfonds natürlich nicht bezahlen (können). Aber die Regierung wird eine grandiose Begründung dafür haben, dass die Gelder nicht fließen. Schuld daran werden die Deutschen sein, die die 278 Milliarden Euro an Kriegsschulden nicht überwiesen haben. Dass die Forderungen völkerrechtlich bereits abgewickelt sind, wird dabei schon irgendwie auf der Strecke bleiben. So die Hoffnung des griechischen Doppeladlers mit seinen nach links und rechts gerichteten Schnäbeln.

So unbeteiligt kann man gar nicht sein, um sich nicht zu fragen, ob es jemals den Tag geben werde, an dem sich ein verantwortlicher deutscher Politiker (nicht ein unverantwortlicher der extremen Rechten) hinstellt und Klartext redet: dass nämlich die gehabten und alle zukünftigen Transfers als Wiedergutmachung der Naziverbrechen noch abgestottert werden müssen. Und zwar von den Generationen Nachkriegsdeutscher, die nichts gehabt haben von den Verbrechen oder der sogenannten Pflichterfüllung ihrer Väter als ein Aufwachsen zwischen Ruinen, Hunger, Schuldgefühlen, Schuldzuweisungen und für Millionen den Verlust der Heimat (Sudetenland, Schlesien, Pommern, Ostpreußen). Und die trotz internationaler Verträge aufs Neue herangezogen werden, die Haftung zu übernehmen für die Untaten von Altvorderen.

Die Überzeugungsarbeit, dass es ab den Geburtsjahrgängen 1945 (Angela Merkel 1954) keine Täter mehr geben kann, sondern nur Opfer, kann ja wohl nicht so schwer sein. Doch statt sich darin zu üben, winden sich Merkels Minister. Ihre Sprachlosigkeit lädt ein, als Anerkenntnis einer Schuld gedeutet zu werden. Sie provoziert den Vorwurf, man wolle sich vor Zahlungen drücken. Dieses Fehlverhalten ist angetan, die Generationen der Unschuldigen immer wieder neu in die Pflicht zu nehmen und - schlimmer noch - ihnen gewollt oder ungewollt Mitschuld anzuheften.