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Atlantisches Bündnis soll Präsident Hamid Karsai den Rücken stärken

Von Leon Bruneau

Politik

Die ersten Teams sind vor Ort. Bis zur Kommandoübernahme am 11. August werden regelmäßig weitere NATO-Soldaten in Kabul ankommen, voraussichtlich zweimal pro Woche. Für das transatlantische Bündnis ist es der erste Einsatz jenseits des Hoheitsgebiets der eigenen Mitgliedstaaten.


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Doch bei den Vorbereitungen zur Übernahme des Kommandos über die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) steht die Premiere "out of area" nicht im Mittelpunkt. Übergriffe auf die derzeit von Deutschland und den Niederlanden geführte Truppe sowie auf die US-Verbände außerhalb der Hauptstadt Kabul verdeutlichen die schlechte Sicherheitslage. Ungeachtet dessen sieht sich das Bündnis der Forderung gegenüber, den Einsatz noch auszuweiten.

Die Vorbereitungen für die Kommandoübernahme laufen "recht gut", wie ein Brüsseler Diplomat erklärt. Das Kontingent werde ohne Probleme erfüllt, allerdings bereiten "logistische Aspekte" wie der Truppentransport noch Sorgen.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai, aber auch Vertreter der Vereinten Nationen und von Nichtregierungsorganisationen wollen, dass die ISAF-Soldaten auch in anderen Landesteilen präsent sind. Eine Ausweitung des ISAF-Mandats erscheint derzeit aber unwahrscheinlich, wie es in Brüssel heißt. Darum würden bei der NATO Möglichkeiten geprüft, den Einfluß der Schutztruppe auf andere Weise auszuweiten.

Für General Sir Jack Deverell, der im Bündnis die Kommandoübergabe militärisch plant, ist es nicht nur einfach eine Frage der regionalen Präsenz von NATO-Soldaten. "Wir müssen von der Vorstellung wegkommen, dass der ISAF-Einfluss durch einen Strich auf dem Boden beschrieben wird", machte der Brite vor kurzem im SHAPE klar, dem militärischen Hauptquartier des Bündnisses im südbelgischen Mons: "Was wir tun müssen, ist den Einflussbereich von Karzai auszuweiten". ISAF solle dem Präsidenten dabei helfen.

Möglich soll dies durch eine enge Zusammenarbeit mit den von den USA unterstützten "Provinz-Wiederaufbauteams" werden, von denen einige bereits vor Ort im Einsatz sind. Insgesamt 16 solcher Teams sollen einmal im ganzen Land eingesetzt werden. In der Provinz Bamiyan, in Kundus im Norden und in Gardes im Osten Afghanistans haben sich bereits Wiederaufbauteams formiert. Großbritannien will sich zudem im Norden in Masar-i-Sharif engagieren, während die USA auf der Suche nach weiterer Unterstützung vor allem zentralasiatischer Länder sind, wie ein US-Diplomat erklärt.

Wie genau diese Zusammenarbeit zwischen ISAF und Wiederaufbauteams aussehen soll, sei allerdings bislang nicht klar, räumt Deverell ein. Zugleich wird in der Brüsseler NATO-Zentrale auch vor falschen Hoffnungen gewarnt. Manche Diplomaten halten die Diskussion über einen Ausbau der NATO-Präsenz schlicht für verfrüht, solange die Mission nicht insgesamt deutlich aufgestockt werde.

Die NATO-Staaten hatten im April beschlossen, unter UN-Mandat die Führung des militärischen Einsatzes zu übernehmen, an dem derzeit rund 4.600 Soldaten beteiligt sind. Außerhalb der Region Kabul ist die US-Armee in Afghanistan mit etwa 8.500 Soldaten in der Mission "Operation Enduring Freedom" aktiv.