Zum Hauptinhalt springen

Atomstreit: Atempause für Teheran

Von WZ-Korrespondent Arian Faal

Politik

Ausbau der guten Beziehungen zwischen Bagdad und Teheran. | Teheran/Wien. Die sonst so ernsten konservativen Hardliner im iranischen Parlament konnten sich Dienstag Nachmittag ein Lächeln voller Genugtuung nicht verkneifen: Die EU und die USA wollen im Atomstreit mit dem islamischen Gottesstaat von einer Weitergabe des Dossiers an den UN-Sicherheitsrat absehen. Bei der Sitzung des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) am morgigen Donnerstag werde dieser Sanktionen implizierende Schritt nicht verlangt werden, sagte ein westlicher Diplomat in Wien.


# Nach USA und EU soll nun Russland den Konflikt lösen

Das EU-Verhandlungstrio Deutschland, Frankreich und Großbritannien wolle Russland Raum geben, den Streit zu schlichten. Die Regierung in Moskau hat angeboten, die Uran-Anreicherung für den Iran zu übernehmen, um die Möglichkeit einer Nutzung des Atomprogramms zum Bau von Waffen auszuschließen. Der diplomatische Druck auf Teheran bleibe jedoch bestehen, damit das Land sich nach den IAEO-Statuten richte und die Verhandlungen über sein Atomprogramm wieder aufnehme, hieß es weiter. Die Gespräche mit der iranischen Regierung waren abgebrochen worden, nachdem der Iran im August die Uran-Konversion wieder aufgenommen hatte. Die IAEO hatte daraufhin am 24. September eine Resolution mit der Option einer Weiterleitung an die UNO verabschiedet, in der der Iran aufgefordert wurde, die Konversion zu stoppen und IAEO-Inspektoren uneingeschränkten Zugang zu seinen Atomanlagen zu ermöglichen. Nun hofft IAEO-Chef El Baradei, der im Atomkonflikt möglicherweise auch persönlich nach Teheran reisen wird, auf eine baldige diplomatische und friedliche Lösung.

Iran hält Ausschau nach irakischer Braut

Unterdessen festigt sich nach dem Besuch des irakischen Präsidenten Jalal Talabani bei seinem Amtskollegen Mahmud Ahmadi Nejad im Iran die neue Achse "Bagdad - Teheran" (die "Wiener Zeitung" berichtete). Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz unterstrichen die Staatsoberhäupter der vormals verfeindeten Länder künftig politisch (reger Austausch von Informationen), wirtschaftlich (etwa im Grenzbereich) und religiös (Zusammenleben von Schiiten und Sunniten) enger kooperieren wollen. Talabani bedankte sich bei der Führung in Teheran für ihren Kampf gegen den Diktator Saddam Hussein. Als "eine Seele in zwei Körpern", bezeichnete Ahmadi-Nejad seinerseits die beiden Nachbarländer. Er sicherte seinem Amtskollegen "die volle Unterstützung für einen unabhängigen freien Irak" zu. Gleichzeitig warf er seinen Rivalen, den USA, vor, den Ausbau der Beziehung zwischen den beiden Staaten zu hintertreiben.