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"Atta ist wie ein Porsche 911"

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Madrid werden auch immer mehr Details über jenen El-Kaida-Gipfel Mitte Juli 2001 bekannt, als der Chef der Attentäter Mohamed Atta mit dem im Herbst 2002 in Pakistan verhafteten Ramzi Binalshibh die letzten Details für die Anschläge vom 11. September 2001 beriet. Das Treffen fand zwischen 9. und 17. Juli 2001 in Tarragona statt, nachdem ein ursprünglich im Juni in Kuala Lumpur (Malaysia) geplanter Gipfel gescheitert war, weil Atta noch durch die Ankunft mehrerer Selbstmordpiloten in den USA aufgehalten worden war.


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Die Zeitng "El Pais", die am 29. Februar dieses Jahres erstmals über die Aussagen von Binalshibh berichtete, die dieser gegenüber US-Vernehmern gemacht hatte, brachte in ihrer Wochenendausgabe Details über dieses Treffen zutage, die bisher einer breiteren Öffentlichkeit unbekannt waren.

Danach ist Mohamed Atta, der vor seinem US-Aufenthalt gemeinsam mit Binalshibh in Hamburg gewohnt hatte, von den USA über Zürich nach Madrid geflogen, wo er am Nachmittag des 9. Juli 2001 eintraf und ein von einem texanischen Reisebüro vorbestelltes Mietauto übernahm. Ursprünglich war das Treffen mit Binalshibh, der sich nach dem geplatzten Treffen in Kuala Lumpur noch einige Tage in Thailand aufgehalten hatte und dann über Amsterdam nach Hamburg gereist war, in Madrid vorgesehen, doch bekam Binalshibh wegen der Hochsaison keinen Flug in die spanische Hauptstadt und wich nach Tarragona aus, wo er von Atta vom Flughafen abgeholt wurde. Dort blieben die beiden bis zum 16. Juli. Binalshibh überbrachte Atta die Anordnungen Osama bin Ladens, wonach das Pentagon, das Kapitol und das World Trade Center angegriffen und dass die Anschläge so bald wie möglich ausgeführt werden sollten. Die Attentäter sollten so eng wie möglich beisammen bleiben und Atta sollte ihnen erst im allerletzten Moment das Datum der Angriffe mitteilen.

Die Angriffsziele erhielten Decknamen. So war das Pentagon die "Kunstfakultät", das Kapitol die "Fakultät für juristische und politische Wissenschaften" und das World Trade Center die "Fakultät für Landwirtschaft".

Atta meinte, er brauche noch etwa fünf oder sechs Wochen, um die Anschläge fertig planen zu können.

Binalshibh hatte Atta aus Thailand auch je acht schwere Goldketten und Armbänder mitgebracht die die Attentäter bei ihren Einsätzen tragen wollten, um als reiche Saudis durchzugehen.

Binalshibh flog dann am 16. Juli zurück nach Hamburg, Atta verließ am 19. Juli Madrid und flog über Berlin nach Atlanta. Zuvor führte er aber noch einige Telefonate mit Binalshibh. Am 8. August gab Atta dann aus den USA das Datum für die Anschläge bekannt, die die Welt verändern sollten. Binalshibh teilte eine Woche später seinem Kontaktmann in Pakistan, Khalid Scheich Mohammed, mit: "Atta ist wie ein Porsche 911" und er fügte hinzu, die Botschaft sei von rechts nach links zu lesen, damit keine Missverständnisse aufkommen. Fünf Tage später, so Binalshibh in seinen Aussagen, sei auch Osama bin Laden informiert gewesen.

Binalshibh flog mit einem in Barcelona gestohlenen Pass unter falschem Namen am 7. September 2001 von Madrid aus über Athen nach Dubai. Am Tag darauf traf er in Kabul ein, 24 Stunden bevor die USA von ihren schwersten Angriffen seit Pearl Harbour erschüttert wurden.