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Attentat erschüttert Moldawier

Von Gerhard Lechner

Europaarchiv

Granate verletzt 32 Menschen, 3 davon schwer. | Verdacht reicht von Al Kaida bis Separatisten. | Chisinau/Wien. An sich hätte es ein schönes Volksfest werden sollen: Tausende Menschen drängten sich am Mittwochabend im Zentrum der moldawischen Hauptstadt zusammen, um auf einem Rockkonzert mit anschließendem Feuerwerk den Festtag der Stadt Chisinau zu begehen. Kurz nach 22 Uhr schreckte dann allerdings eine Explosion die Feiernden auf: Eine Handgranate älteren russischen Typs detonierte inmitten der Menge und verletzte 32 Menschen, drei davon schwer.


Täter soll ein rund 26-jähriger Mann gewesen sein. Die Behörden, die von einer "Attacke von Terroristen" sprachen, teilten mit, dass glücklicherweise bei keinem der Verletzten Lebensgefahr besteht. In Moldawien sind seit dem Bürgerkrieg 1992 um die abtrünnige Region Transnistrien eine Menge Waffen im Umlauf.

Über die Gründe für den Anschlag wird heftig gerätselt. Innenminister Wiktor Katan brachte am Donnerstag gar das muslimische Terrornetzwerk Al Kaida ins Spiel: Die Terroristen hätten "möglicherweise ihre jungen Anhänger in Moldawien manipuliert und den Anschlag auf dem Marktplatz von Chisinau mit organisiert", mutmaßt der Minister. Katan schloss aber auch nicht aus, dass die Spur nach Transnistrien führt: "Wir stehen in Kontakt mit Transnistriens Sicherheitsbehörden, denn die gestern gezündete Handgranate stammt offensichtlich aus den dortigen Militärdepots".

Premier bedroht

Mutmaßungen über einen eher politischen als kriminellen Hintergrund der Tat befördert der Umstand, dass der neue moldawische Premierminister Wlad Filat ungefähr zum Tatzeitpunkt zwei Drohanrufe erhalten hat. Der liberale Politiker steht einer pro-westlichen Koalition aus vier Parteien vor und will sein Land in die EU führen. Moldawien, das ärmste Land Europas, befindet sich seit längerem in einer politischen Krise: Nach umstrittenen Parlamentswahlen im April hatte es in Chisinau Ausschreitungen gegeben. Aus der Wiederholung des Urnengangs im Juli gingen die bisher regierenden Kommunisten als Verlierer hervor und wurden von der Regierung Filat abgelöst. Aufgrund eines Patts im Parlament ist um die Nachfolge des zurückgetretenen kommunistischen Präsidenten Wladimir Woronin ein heftiges Gezerre in Gang.

Spekulationen, die Tat könne ob dieser gespannten Lage einen innenpolitischen Hintergrund haben, werden von den offiziellen Stellen in Moldawien ostentativ zurückgewiesen. Premier Filat und Woronin einigten sich, den Anschlag nicht politisch zu instrumentalisieren.

Chisinaus Offizielle betonen, keine Partei in Moldawien wäre an einem Anschlag interessiert - "aber es gibt Gruppen und ausländische Kräfte, die gegen die neue Regierung sind", spielte der moldawische Generalstaatsanwalt auf der Pressekonferenz Richtung Transnistrien und die dortigen russischen Friedenstruppen an. Die sind seit dem Bürgerkrieg in der Republik am Dnestr stationiert. Die Regierung Filat hatte erst kürzlich deren Abzug und Ablösung durch eine internationale Mission gefordert.