Zum Hauptinhalt springen

Attraktiv sind E.ON, RWE oder EdF

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Für Verbund-Vorstand Hans Haider ist die österreichische Stromlösung nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem vollfusionierten heimischen Stromkonzern. Nach gelungener Fusion sollte sich das integrierte Unternehmen nach einem starken europäischen Partner umschauen: In die engere Wahl kämen dabei die Energieriesen E.ON, RWE oder EdF, erläuterte Haider Montagabend vor Journalisten.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die internationale Elektrizitätswirtschaft befindet sich im Umbruch. Seit Jahren finden Fusionen statt. Verbund-Chef Hans Haider prognostiziert, dass in Europa nur fünf oder sechs Unternehmen den Markt beherrschen werden. Dazu zählt er die deutschen RWE und E.ON, die französiche EdF, die italienische ENEL sowie die spanische ENDESA. Als sinnvoll erachtet er eine Vollfusion aller heimischen Versorger, die sich anschließend mit einem starken europäischen Partner verbünden.

"Für uns Österreicher ist aufgrund der Struktur nur ein europäisches Unternehmen attraktiv." Er weist darauf hin, dass mit der gescheiterten Verbindung von Verbund und E.ON in der European Hydro Power (EHP) eine Lösung vorgeschlagen wurde, bei der die heimische E-Wirtschaft selbständig geblieben wäre. "Heute haben wir schon starke Bindungen zu E.ON mit den gemeinsamen Kraftwerken." Ob eine Annäherung an den deutschen Energiekonzern weiterhin möglich ist, sei erst nach Genehmigung der Österreichischen Stromlösung (ÖSL) zu beurteilen. In Sachen ÖSL - die Verträge befinden sich mittlerweile bei der EU-Kommission - hofft er auf das längere fünfmonatige Prüfverfahren. Die Entscheidung nach nur einmonatigem Check könnte nämlich negativ ausfallen.

Im 10-Punkte-Programm der ÖVP ist vorgesehen, dass die 51% Bundesanteile am Verbund in die ÖIAG transferiert werden. Möglich wäre dies laut Haider nur in einer großen Koalition, da eine Verfassungsbestimmung geändert werden müsste, die vorsieht, dass die 51% direkt vom Bund zu halten seien. Für sein Unternehmen fürchtet er weitere Privat-Beteiligungen nicht. "Wenn man es Vernünftig macht, ist dem durchaus etwas abzugewinnen". Vorbild ist für ihn E.ON, "das Unternehmen hat sich gut entwickelt."

Über das EVN-Aktienpaket, das bei der Bayern-Finanz geparkt ist, habe der Verbund keinerlei Verfügungsgewalt, da es schon verkauft wurde. Also müsse der Wunsch von EVN-Generaldirektor Rudolf Gruber unerfüllt bleiben, dass der Verbund zur Festigung der gemeinsamen Beziehungen das Paket behält. Wer den 14%-Anteil erwerben wird, ist noch unklar. "Die Bayern-Finanz kann frei verfügen, ob das Gruber gefällt oder nicht."

Mit der Ökostromregelung und den neuen Einspeisetarifen für Strom aus Biomasse ist Haider auf derselben Argumentationslinie wie die Papierindustrie. "Die Tarife sind extrem hoch. Ich hoffe, dass noch darüber nachgedacht wird, da es sonst zur Absiedlung von Betrieben kommt." Obendrein werde das Zufeuern mit Holz und Stroh in den Verbund-Kraftwerken völlig unattraktiv, weil sich die Preise für das Brennmaterial schlagartig erhöhen werden.