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Attraktivität hat ihren Preis, das Nationalteam zahlt ihn

Von Simon Rosner

Analysen

Es kam, wie es zu erwarten war: Österreichs Eishockey ist wieder zweitklassig, übrigens genauso wie Sloweniens. Ungarn hängt in der B-Gruppe fest, die Kroaten gar in der C-Gruppe. Es ist also insgesamt kein Ruhmesblatt für die Erste Bank Eishockey Liga (EBEL), die sich aus Klubs eben jener Länder zusammensetzt.


Die sportliche Misere konterkariert den Vermarktungserfolg dieser internationalen Liga. Die Zuschauerzahlen steigen, die Show passt, das Fernsehen überträgt, und dank Gönner wie Dietrich Mateschitz, Heidi Horten und Hans Schmid können gute Legionäre und gute Österreicher gutes Geld in der EBEL machen. Und so stellt sich abseits aktueller Probleme, wie den Absagen der NHL-Legionäre sowie den internen Querelen zwischen Liga und Verband, die Frage, ob die EBEL für das heimische Eishockey nicht zu professionell ist.

Der Vergleich zu anderen Mannschaftssportarten zeigt, dass es dem Nationalteam zuträglich ist, wenn die Liga auf realistischem Niveau geführt wird. So hat die Bundesliga nach den Konkursen von Sturm, Tirol und GAK eine gewisse Redimensionierung erfahren. Man begreift sich als Ausbildungsliga, die jedes Jahr Spieler in stärkere europäische Ligen abgibt.

Auch im Handball setzt man seit Jahren auf heimische Talente, wovon sich die besten dann nach Deutschland verabschieden. Sie tragen zum Erfolg des Nationalteams bei.

Auch im Eishockey war dies einmal so. Zur WM 2004 fuhr Österreich mit neun Legionären, darunter dem blutjungen Thomas Vanek. Gleich zum Auftakt nötigte man Kanada ein 2:2 ab - und begann zu träumen. Mittlerweile sind fast alle Legionäre zurückgekehrt. Kein einziger spielt derzeit in Deutschland.

Die Klubs können sich - auch dank der Vermarktung der Liga - die hohen Gagen leisten. Dänen und Norweger, die den Österreichern bei der WM um die Ohren fahren, verdienen vielleicht ein Drittel, deshalb drängt es diese Spieler in die starke schwedische Liga.

Rund drei Millionen Euro kostet es, einen EBEL-Klub zu betreiben. Das ist den Vorarlberger Klubs zu viel. Die VEU Feldkirch, der Nationalligameister, kommt auf ein Viertel davon und kann sich Eishockey nur auf halbprofessionellem Niveau leisten. Was fehlt, ist das Dazwischen. Zwischen sehr viel verdienen und fast gar nichts. Zwischen sehr und halbprofessionell.

Da die EBEL-Klubs aber viel zu wenige wirklich gute Österreicher ausbilden, die die Liga auf ihrem hohem Niveau halten können, setzen sie auf Legionäre. Dadurch wird der notwendige Sprung der Talente vom Nachwuchs in die Kampfmannschaft noch größer. Viele landen in der Nationalliga, wo sie kaum vom Eishockey leben können. Sie zahlen - genauso wie das Nationalteam - den Preis der Attraktivität der EBEL.