Zum Hauptinhalt springen

ATX-Markt: Die Luft wird dünn

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Zu Beginn der dritten Juliwoche folgte am Wiener Aktienmarkt ein Paukenschlag nach dem anderen. Der Leitindex ATX kletterte drei Tage hintereinander von einem Jahreshoch zum anderen. Mit dem Anstieg im zweiten Quartal und dem positiven Start im dritten Quartal wurde die Luft im ATX-Markt bei 1.350 Punkten allerdings etwas dünn.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 20 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Der Wiener Aktienmarkt korrigierte in der Folge, blieb aber nach wie vor auf hohem Niveau. Obwohl nicht mehr all zu weit entfernt, scheint vorläufig das Jahreshoch 2002 von 1.368 Zählern unerreichbar zu sein. Von den internationalen Aktienmärkten gab es in vergangene Woche keine Impulse. Die Börsen scheinen nach dem sehr positiv verlaufenen 2. Quartal eher in eine Konsolidierungsphase eingeschwenkt zu sein. Börsianer befürchten, dass in den Kursen zu hohe Gewinnerwartungen der Unternehmen eingepreist wurden. Die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen von Technologieunternehmen lassen Befürchtungen aufkommen, dass sich die Unternehmensgewinne nicht so rasch erholen werden wie erwartet. Gemessen an den Zielen könnte es im Laufe der Berichtssaison zu weiteren Enttäuschungen kommen. Damit könnte den Investoren der Mut vergehen, stärker in den Aktienmarkt einzusteigen.

Die Handelsvolumina pendeln sich nach dem Hoch durch die Börseneinführung der BA-CA, wieder auf ein Normalmaß ein. Allerdings sind die Tagesumsätze mit durchschnittlich mehr als 90 Mill. Euro noch immer um ein gutes Viertel höher als im Jahresdurchschnitt. Der ATX beendete die dritte Juliwoche mit 1.345,89 Punkten um 1,46 % über dem Vorwochenschluss. Der WBI als Messgröße für den Gesamtmarkt stieg um 0,76% auf 549,83 Zähler. Der Wiener Aktienmarkt hat sich damit besser entwickelt als die meisten europäischen Börsen.

Im prime market der Wiener Börse lagen RHI und Wolford an der Spitze der Gewinnerliste mit Kursanstiegen von 15,2 % bzw. 14,7 %. RHI profitierten davon, dass demnächst mit einem wichtigen Verfahrensschritt im Zusammenhang mit dem Chapter-11-Verfahren der inzwischen entkonsolidierten US-Töchter zu rechnen ist. Für RHI würde die Annahme eines Reorganisationsplans weitere Zahlungen der Vorbesitzer ihrer US-Töchter an RHI bedeuten. Der Vorarlberger Luxuswäscheerzeuger berichtete von der Rückkehr in die Gewinnzone im Geschäftsjahr 2002/03. Die erfolgreiche Restrukturierung des Unternehmens gibt zur Hoffnung Anlass, dass die Ertragslage weiter verbessert wird. BETandWIN.com, die zuletzt unter starkem Abgabedruck litten, notierten mit plus 9% wieder deutlich fester. Fester notierten auch VA Tech (+7%), OMV (+6,8%), Head (+5,6%), Flughafen Wien (+4,6%) und Rosenbauer (+4,1%). Freundlich waren weiters Palfinger, Verbund, BWT und Wienerberger mit Kurserhöhungen von 3% und knapp darüber. Stark unter Verkaufsdruck gerieten S&T (-16%), nachdem das Unternehmen eine Gewinnwarnung ausgegeben hatte. S&T erwartet im 1. Halbjahr 2003 wegen einer Ergebnisfehlentwicklung in der Türkei ein negatives Konzernbetriebsergebnis. Bei Agrana führte das schwächere Quartalsergebnis zu einer Kurskorrektur von 3,6%. Etwas schwächer waren auch AUA, UIAG und BA-CA.

Bei den im standard market zu fortlaufenden Kursen gehandelten Werten blieben die Kursveränderungen eng begrenzt. Zur Schwäche neigten Lenzing, Porr Vorzug und SW Umwelttechnik. Von den zu Einheitskursen notierten Unternehmen kletterten CLC bei hohen Umsätzen um 50 %.

Werner Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse".