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AUA: Burger nimmt den Hut - Agenden bei Ötsch

Von Karl Leban

Wirtschaft

Wien. Tagelang blieben die Gerüchte offiziell unbestätigt. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: AUA-Marketing-Vorstand Josef Burger geht. Der 55-jährige Manager, ab sofort vom Dienst frei gestellt, scheidet aus der Chefetage der teilstaatlichen heimischen Fluglinie per Ende September, zwei Jahre vor Vertragsablauf, aus.


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Der überraschende Abgang Burgers erfolgt freiwillig - zumindest nach Darstellung des AUA-Präsidenten Peter Michaelis. Burger habe "den Aufsichtsrat informiert, dass er seine Funktion auf eigenen Wunsch wegen unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede über die Form der Zusammenarbeit im Vorstand beenden möchte". Das sagte Michaelis am Freitag vor der Presse im Anschluss an eine außertourlich einberufene Aufsichtsratssitzung.

Millionen-Abfertigung

Das Vertragsverhältnis wird "einvernehmlich aufgelöst". Laut Michaelis erhält Burger "in jedem Fall eine volle Abfertigung". Dem Vernehmen nach geht es um eine Summe in mehrfacher Millionen-Höhe. Einschließlich seiner früheren Tätigkeit als Tyrolean-Manager hat Burger "25 Dienstjahre auf dem Buckel" (O-Ton Michaelis).

Burgers Agenden als Vertriebsvorstand werden interimistisch von AUA-Boss Alfred Ötsch übernommen. Zu seinem Verhältnis zu Burger erklärte Ötsch nur: "Es gibt unterschiedliche Charaktere. Mehr will ich dazu nicht sagen."

Nach den offensichtlichen Querelen im Chefcockpit ist der Aufsichtsrat nun um ein rasches Beilegen der Führungskrise bemüht, die im Zuge der heiklen Sanierung des Konzerns höchst ungelegen kam. Michaelis, Chef des staatlichen Hauptaktionärs ÖIAG, wird nun eine Beratungsfirma engagieren, die prüfen soll, ob die Führungscrew der AUA in ihrer bisherigen Form gut aufgestellt ist oder nicht. Verwertbare Ergebnisse erwartet Michaelis bis Ende September. Ob und wie Burger, "Mister Focus East", nachbesetzt wird, soll bis Ende Oktober entschieden werden. Statt bisher drei wären in Zukunft auch zwei Vorstände denkbar. Ötsch selbst sieht jedenfalls seine Vorstellungen zu Kunden- und Marktorientierung bei der Sanierung "noch nicht hundertprozentig erfüllt".

Befasst hat sich der Aufsichtsrat am Freitag auch mit den schwer wiegenden Vorwürfen, Ötsch habe Burger und den Betriebsrat bespitzeln lassen. Michaelis dazu: "Es wurde nicht bespitzelt." Eine mögliche Ablösedebatte um Ötsch ist damit wohl vom Tisch.

Der Airline-Boss hat nach dem jüngsten Kursdesaster gestern 10.000 Stück AUA-Aktien nachgekauft.