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AUA fährt in den Hafen der Ehe ein

Von Karl Leban und Helmut Dité

Wirtschaft

Marke AUA und Firmensitz in Österreich bleiben. | Verkauf steht noch unter Vorbehalt der EU-Zustimmung. | Wien. Seit Freitag sind die Verträge besiegelt: Die Staatsholding ÖIAG verkauft ihren knapp 42-prozentigen AUA-Anteil an die Lufthansa. Den Deal offiziell zu paktieren, war nur noch eine unspektakuläre Formsache. Bereits seit Wochen war klar, dass die defizitäre und hoch verschuldete AUA an die Lufthansa, den letzten verbliebenen Bieter, gehen würde. | Mehr zum Thema: | Nur Heckflosse rot-weiß-rot? | Abbau von Personal und Ausdünnung des Netzes? | Analyse - Kranich nimmt Verlustbringer an Bord


Was den Not-Verkauf jetzt noch kippen kann, ist ein mögliches Nein der EU zum vereinbarten Zuschuss der Republik in Höhe von einer halben Milliarde. Wie Brüssel entscheiden wird, steht derzeit in den Sternen. Hier könnte es noch eine böse Überraschung geben. Den Abschluss des EU-Beihilfeverfahrens erwartet ÖIAG-Chef Peter Michaelis jedenfalls im Frühjahr 2009.

Das Closing selbst, der Aktientransfer, könnte im Mai erfolgen, wie er in einer Pressekonferenz mit Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber und AUA-Chef Alfred Ötsch sagte. Davor sind jedoch auch die kartellrechtlichen Genehmigungen sowie die Zustimmung der EU zur Zwischenfinanzierung notwendig. Die ÖIAG muss der arg ramponierten AUA ein 200 Millionen Euro schweres rückzahlbares Darlehen gewähren, dass beim Closing rückerstattet wird.

"Richtige Entscheidung"

Michaelis war am Freitag sichtlich bemüht, den Verkauf zu verteidigen: "Er ist für die AUA und generell für den Standort am Wiener Flughafen die richtige Entscheidung." Die Partnerschaft mit der Lufthansa festige den Status der AUA als führender Carrier in Osteuropa. Gleichzeitig, so Michaelis weiter, bleibe die AUA eine rechtlich selbständige Gesellschaft mit Sitz in Österreich sowie eigener Marke, Crew und Flotte.

Zudem verwies Michaelis darauf, dass über eine Privatstiftung die Einhaltung österreichischer Interessen sichergestellt werde. In diese für fünf Jahre garantierte Stiftung - Begünstigte ist die Lufthansa - sollen zwei von fünf Vorständen von Österreichern gestellt werden.

"Tag eins der AUA neu"

Michaelis und Ötsch feierten den Verkaufsbeschluss. Dies sei "der Tag eins für die AUA neu" und "der wichtigste Tag seit der AUA-Gründung vor 50 Jahren". Trotz Verkaufs seien die rot-weiß-roten Interessen gewahrt worden. Vorteile durch die Partnerschaft mit der Lufthansa bestünden - abgesehen vom besseren Zugang zu internationalen Passagierströmen und gemeinsamer internationaler Vermarktung im Nutzen von Kostenvorteilen und Größeneffekten, die sich aus der Integration in die Lufthansa-Gruppe ergeben.

Mayrhuber bezifferte die Synergien mit jährlich rund 70 Millionen Euro (40 Millionen auf der Kosten- und 30 Millionen auf der Ertragsseite). Auf die Frage nach den Arbeitsplätzen bei der AUA meinte er: "Im Moment ist kein Personalabbau vorgesehen. Wir wollen Produktivitätssteigerungen erreichen, ohne Kündigungen durchzuführen."

Verlustabbau bis 2011

Weite sich die Rezession aber aus, werde wohl "querbeet restrukturiert" werden müssen, so Mayrhuber. Die AUA solle jedenfalls binnen drei Jahren ihre "Verluste abbauen". Die AUA-Flüge in den Osten würden weiter vom Flughafen Wien aus geführt. "AUA und Lufthansa werden zum stärksten Luftfahrtunternehmen in Europa", sagte Mayrhuber.

Zu möglichen Einsprüchen des ausgeschiedenen Bieters Air France meinte der Lufthansa-Chef launig: "Zu Air France mache ich mir überhaupt keine Gedanken, die haben Pech gehabt. Sie hätten ja selbst den Rechenstift in die Hand nehmen können, um das zu fordern (einen Schuldennachlass, Anmerkung) was wir gefordert haben."