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AUA: Geschenkt wäre noch viel zu teuer gewesen

Von Hermann Sileitsch

Analysen

Ist der AUA-Verkauf ein "Meilenstein" (Josef Pröll) oder eine "Notlösung" und "jedenfalls keine Erfolgsgeschichte" (Werner Faymann)? Keiner von beiden hat recht - und auch nicht AUA-Konkurrent Niki Lauda, der meint, es sei "schließlich keine Kunst, eine Airline zu verschenken und noch 500 Millionen Euro dazuzugeben". Die Fakten sagen etwas anderes. | * Die Chance, ein blühendes Unternehmen zu verkaufen, bot sich ohnehin nicht. Die Möglichkeit, die AUA zu verkaufen, als sie noch kein akuter Sanierungsfall war, wurde vertan - von ÖVP- wie von SPÖ-geführten Regierungen. Mittlerweile stecken wir in der schlimmsten Krise der Luftfahrt. Da ist es ein Erfolg, eine Fluglinie überhaupt an den Mann zu bringen.


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Zum Vergleich: Als der Verkauf der AUA im August 2008 anlief, schrieb die Lufthansa im Halbjahr noch rund 400 Millionen Gewinn. Exakt ein Jahr später ist sie mit mehr als 200 Millionen Verlust weit in den roten Zahlen gelandet.

* Am meisten entfacht sich Volkes Zorn jedoch daran, dass die AUA nicht nur verschenkt wurde, sondern der Steuerzahler sogar noch etwas draufzahlen muss. Das stimmt, ist aber trotzdem ein marktüblicher Preis. Angesichts des Schuldenberges und der nötigen Sanierung werden auf Lufthansa nämlich noch etliche Kosten zukommen.

Zumindest in dieser Hinsicht ist auf die EU Verlass: Sie prüft penibel, ob die Republik als Verkäufer marktkonform agiert. Wäre das Angebot für die Lufthansa besser als angemessen, gäbe es kein Okay aus Brüssel. Angesichts der Konzessionen der Deutschen könnte der - negative - Kaufpreis sogar zu hoch sein.

* Alle Alternativen wären noch deutlich teurer. Ein Soloflug der AUA wäre ein unkalkulierbares Risiko, das Milliarden verbrennen würde und an dessen Ende erst recht ein Verkauf stünde. Auch eine Insolvenz käme teurer und hätte eine Kettenreaktion mit Stellenabbau bei vielen mit der AUA verbundenen Firmen zur Folge.

* Ganz gleich, ob der von der Politik verbrochene Zeitdruck Schuld war oder Unvermögen der ÖIAG: Es gab nur einen Bieter für die AUA, somit war es illusorisch, einen besseren Preis herauszuschlagen.

Fakt ist: Zwischen Lufthansa und AUA bestanden bereits enge Verbindungen - durch die Allianz (Star Alliance), durch das gemeinsame Geschäft zwischen Deutschland und Österreich, durch Zusammenarbeit in vielen Belangen der Technik und Wartung. Die Eintrittshürden für jeden anderen Bieter wären also um ein Vielfaches höher gewesen. Ein Verkaufsverfahren kann diese Kosten aber nicht berücksichtigen.

Der AUA-Verkauf war unter den bestehenden Voraussetzungen also sehr wohl eine Kunst. Die Konditionen sind für die Republik natürlich eine Katastrophe - aber leider angemessen.

Die Bezeichnung als "Meilenstein" spiegelt indes wohl eher die Erleichterung des Finanzministers wider. In ein paar Jahren wird wohl erst recht niemand auf die Idee kommen, den AUA-Verkauf einen Meilenstein zu nennen - die Sanierung der AUA durch die Lufthansa hat erst begonnen.

Siehe auch:

Analysten: AUA mit größerem Halbjahr-Minus