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AUA nach Kapitalerhöhung: Mehrheit des rot-weiß-roten Syndikats ist weg

Von Karl Leban

Wirtschaft

AUA sichert aber nationale Mehrheit mit eigenen Aktien. | Internationale Landerechte somit weiter garantiert. | Wien. Bei der AUA ist es zu Verschiebungen in der Aktionärsstruktur gekommen. Durch die jüngste Kapitalerhöhung haben die Miteigentümer aus dem Streubesitz etwas mehr Gewicht als bisher. Sie halten jetzt exakt 47,94 Prozent an der börsenotierten heimischen Fluglinie. Der Anteil der Republik, der gerade zum Verkauf steht, ist hingegen von 42,75 auf 41,56 Prozent zurückgefallen.


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Grund: Die Staatsholding ÖIAG hat bei der Kapitalerhöhung nicht mitgezogen - so wie die anderen AUA-Aktionäre aus dem Österreich-Syndikat (Raiffeisen, Städtische und Bank Austria). Die bisherige einfache Mehrheit des Syndikats, dessen Anteile nun auf 48,61 Prozent verwässert wurden, ist damit Geschichte.

Denoch ist eine nationale Mehrheit, wie in der Zivilluftfahrt grundsätzlich und generell verlangt, weiterhin gesichert. Das - nach außen darzustellende - Österreich-Eigentum wird jetzt von den Austrian Airlines selbst gewährleistet. Der Home-Carrier hält 3,45 Prozent eigene Aktien und füllt somit die Lücke zur notwendigen nationalen Mehrheit.

Vertiefte Prüfung startet

Das Rennen um die Anteile des Bundes ist seit Wochenbeginn mit der Auswahl der besten Erstangebote in der heißen Phase - die "Wiener Zeitung" berichtete. Heute, Donnerstag, wird den Bietern der Datenraum geöffnet. Über eine vertiefte betriebswirtschaftliche Unternehmensprüfung, eine Due-Diligence, können sie die AUA auf Herz und Nieren durchchecken. Verbindliche Angebote (samt Preisoffert) müssen dann bis 21. Oktober eingereicht werden. Bis 28. Oktober soll feststehen, wer zum Zug kommt.

Als nach wie vor heißester Kandidat wird die deutsche Lufthansa gehandelt - vor allem wegen ihrer bereits langjährigen Kooperation mit der AUA in dem von ihr dominierten globalen Flugverbund Star Alliance. Inzwischen soll es für die Lufthansa aber Gegenwind geben. Noch-Kanzler Alfred Gusenbauer soll seit Wochen sein politisches Gewicht für Air France in die Waagschale werfen. Hinter vorgehaltener Hand werden den Franzosen immer bessere Chancen eingeräumt, weil es - auch zum Vorteil des Wiener Flughafens - mit ihrem Streckennetz viel weniger Überschneidungen gäbe als mit den Deutschen.

"Das ist kein Problem"

Detail am Rande: Bei einer Mehrheitsübernahme durch Lufthansa, Air France oder S7 Airlines (ebenfalls unter den Werbern, aber nur mit Außenseiterchancen) müsste die AUA ihre internationalen Verkehrsrechte zum Teil neu ausverhandeln - so vor allem für die Nicht-EU-Länder in Osteuropa, aber auch für Staaten im Nahen Osten.

Dass S7 als Nicht-EU-Airline die AUA im Fall eines mehrheitlichen Einstiegs um ihre EU-Fluglizenz bringen würde, wird von der russischen Luftfahrtgesellschaft bestritten. Aus dem Umfeld der einstigen Aeroflot-Tochter heißt es dazu: "Das ist ein Thema, aber kein Problem - und das weiß auch die ÖIAG. Andernfalls hätte sie den Verkauf nur EU-weit ausgeschrieben."