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AUA-Poker: Lufthansa und EU steuern auf Einigung zu

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Wirtschaft

Brüssel verlangt noch Klarstellungen. | Zugeständnisse bei Wien-Frankfurt gelten als Schlüssel. | Brüssel. Noch vor einer Woche hatte Jonathan Todd, der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, gemeint, dass nur noch ein Wunder eine Genehmigung der Übernahme der schwer kriselnden AUA durch Lufthansa vor Monatsende ermöglichen könne.


Wesentlich positiver gab er sich am Freitag nach Einlangen eines neuen Kompromissangebots des deutschen Airline-Riesen. Er habe einen Brief mit der Unterschrift des Lufthansa-Chefs Wolfgang Mayrhuber erhalten, sagte Todd. Jetzt brauche die Kommission noch einige Klarstellungen von den Deutschen, bevor die Zugeständnisse abschließend bewertet werden könnten. Details über das neue Angebot wollte er mit Verweis auf das laufende Verfahren keine nennen.

Zu Konzessionen bereit

Unter der Hand war jedoch zu erfahren, dass Lufthansa bereit sei, mehr Start- und Landerechte (Slots) auf der lukrativen Strecke Wien-Frankfurt an Mitbewerber abzugeben, wie es die EU verlangt. Das sei der Hauptunterschied zum Vorschlag der Vorwoche, den Kroes strikt zurückgewiesen hatte. Bereits damals war Lufthansa offenbar auf die EU-Forderungen nach der Abgabe von Slots auf der Verbindung Wien-Genf eingegangen. Für das Einlenken auf den beiden Cash-Cow-Strecken darf der künftige deutsch-österreichische Verbund scheinbar mehr Start- und Landerechte auf der Strecke Wien-München für sich selbst behalten.

Nachdem sich Lufthansa offenbar deutlich bewegt hat, liegt der Ball jetzt bei der EU, für die der skizzierte Deal aber im Grunde akzeptabel sein soll.

Nur zwei Fusionsverbote

Todd betonte, dass die EU-Wettbewerbsbehörde in den vergangenen fünf Jahren letztlich nur zwei Fusionen verbieten habe müssen. Bei allen anderen der 300 bis 350 Übernahmen pro Jahr habe eine Lösung gefunden werden können, die den Wettbewerb nicht unzulässig zu Lasten von Konkurrenten und Konsumenten verzerrte.

Damit ist die Fusion zwischen Lufthansa und AUA zwar nicht unter Dach und Fach, die Stimmung für ein Gelingen im Juli ist in Brüssel aber ungleich positiver als noch vor einer Woche. Dafür müsste noch vor Monatsende auch das Verfahren für die 500-Mio.-Euro-Beihilfe der Republik Österreich abgeschlossen werden.

Dass die EU doppelte Standards anlege, weil die Alitalia ein Exklusiv-Recht für die Strecke Rom-Mailand genieße, wies Todd indes zurück. Solche Gerüchte seien ein weiterer Beweis, dass die Meinungsmacher-Maschinerie der Lufthansa gelegentlich überhitze. Bei der Fusion der Alitalia mit Air One habe es sich um eine inneritalienische Angelegenheit gehandelt. Daher sei nur die italienische Wettbewerbsbehörde, nicht aber die EU-Kommission zuständig gewesen, sagte Todd weiter.

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