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AUA schwer unter Druck

Von WZ Online

Wirtschaft

Aufsichtsrat tagt.


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In der Austrian Airlines (AUA) tagt zur Stunde der Aufsichtsrat, und das unter Druck. Thema: Die Niederlage im Streit mit den Piloten, die viele Millionen Nachzahlungen nach sich ziehen wird. Den Bordbeschäftigten soll ein Vergleich abgerungen werden, um den mittlerweile bei den Höchstrichtern angesiedelten Arbeitskonflikt beizulegen. Das Unternehmen muss nochmals den Sparstift ansetzen.

Wie es weitergeht, was das Ringen um einen ganz neuen Konzern-Kollektivvertrag für Piloten und Flugbegleiter anlangt und ob insgesamt ein weiteres umfassendes Kosteneinsparungspaket ansteht, dazu will sich die Gesellschaft erst nach der Aufsichtsratssitzung äußern.

Dass der teure Tiefschlag im Pilotenstreit wegen teurer Nachzahlungen und nachfolgend wieder höherer Personalkosten die Airline heuer wieder in die roten Zahlen stürzt oder gar wieder in Konkursgefahr bringt, wurde vom AUA-Konzernsprecher am Vormittag indes bestritten.

Finanzielle Bedrängnis?

Konkurs sei kein Thema. "Wir sind in einer stabilen Situation", sagte AUA-Sprecher Peter Thier am Donnerstag in einer Telefonkonferenz den Medien. Ein ursprünglich geplantes milliardenschweres Investitionsprogramm - unter anderem zum Austausch der Fokker-Flotte - liegt aber auf Eis. Und zwar deshalb, "weil wir eine tragfähige zukunftsfähige Lösung brauchen, um Investitionen stemmen zu können", so Thier.

2012 stand die AUA kurz vor dem Konkurs. Damals wurde ein drastisches Sparprogramm geschnürt. Wesentlicher Eckpunkt des nach Vorstandsangaben "überlebenswichtigen" Sparpakets war die zwangsweise Verlagerung des "Austrian"-Flugbetriebs unter das billigere "Tyrolean"-Dach. Piloten und Flugbegleiterinnen der AUA fliegen damit seit 1. Juli 2012 zu schlechteren Bedingungen.

Das AUA-Management hatte dazu den AUA-Bord-Kollektivvertrag aufgekündigt, die Gewerkschaft - die versucht hatte, den Zwangsumstieg auf den billigeren Tyrolean-Kollektivvertrag abzuwehren - kündigte den Tyrolean-KV auf.

War zu erwarten

Von dem heute ergangenen Spruch des Europäischen Gerichtshof (EuGH), wonach der 2012 vom Management aufgekündigte Kollektivertrag für AUA-Piloten und -Flugbegleiter nachwirkt, war die der Lufthansa gehörende Airline nicht wirklich überrascht. Dass die zahlreichen Arbeitsrechtler und Juristen das Management 2012 schlecht beraten hätten, sagte Thier heute nicht. "Wir hatten damals nicht viel Wahl."

Ziel sei es jetzt, einen Konzernkollektivvertrag zu bekommen. Im Konzern gehören 3.000 Leute - also die Hälfte der gesamten Belegschaft - zum fliegenden Personal. 1.700 davon waren im AUA-KV, rund 1.000 im Tyrolean-KV. Weitere 300 Bord-Beschäftigte, die seit dem Betriebsübergang neu eingestellt wurden, werden nach so genannten "Unternehmensrichtlinien" entlohnt, die seither die alten Tarifverträge ersetzten.

Wieder "Tyrolean-Verhältnisse"

Laut Thier ist nun offen, wie der alte Kollektivvertrag nachwirke und ab wann und "wie sich die beiden Kollektivverträge (AUA, Tyrolean) zueinander verhalten". Das heißt, welcher KV den anderen letztendlich "sticht". Aus Sicht des Managements die billigere Variante wären "Tyrolean"-Verhältnisse. Die Feststellung obliegt dem Obersten Gerichtshof (OGH), der in letzter Instanz auch zu entschieden hat, ob der ganze Betriebsübergang von Austrian auf Tyrolean überhaupt rechtens war.

Mit Blick auf den Rechtsstreit hat die AUA heuer im Sommer Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe gebildet. Die genaue Höhe wurde bisher nicht bekannt gegeben. Welche Nachzahlungen der AUA nun drohen, wenn ein Vergleich ausbleibt, dazu gab es ebenfalls keine Angaben. Die Rede war bisher von hoch zweistelligen Millionenbeträgen bis sogar mehr als 100 Millionen.

Urteil des Gerichtshofs, Juni 2012