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AUA soll 350 Mio. Euro bekommen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Kreise: ÖIAG wird voll mitziehen. | Bund nimmt 140 Millionen in die Hand. | Wien. Noch dieses Jahr erhält die angeschlagene Luftfahrt-Gruppe Austrian Airlines (AUA) eine Geldspritze, die sie allem Anschein nach dringend braucht. Unter Dach und Fach gebracht werden soll die seit längerem kolportierte Kapitalerhöhung im November. Wie aus dem Aufsichtsrat der staatlichen ÖIAG, des AUA-Haupteigentümers, Montag nach dessen Sondersitzung durchgesickert ist, will sich die AUA durch die Ausgabe neuer Aktien 350 Mio. Euro an frischem Geld ins Unternehmen holen.


Die Weichen für den geplanten Kapitalschritt werden dem Vernehmen nach Ende Oktober in einer außertourlichen Aktionärsversammlung der AUA gestellt. In Aufsichtsratskreisen der Staatsholding heißt es, dass die ÖIAG bei der Kapitalerhöhung voll mitziehen werde. Ein finanzielles Engagement wäre für sie durchausleistbar. Nach der Post-Teilprivatisierung vom Mai gilt die ÖIAG als schuldenfrei, sie soll nun sogar einiges auf der Kante haben. Rund 140 Mio. Euro müsste die ÖIAG springen lassen, damit sich ihr AUA-Anteil von derzeit 39,7 Prozent künftig nicht verwässert. Ihre Aktien hat sie in einem Syndikat mit Raiffeisen, Wiener Städtischer, Bawag und einer AVZ-Tochter gebündelt, das eine rot-weiß-rote Mehrheit von knapp mehr als 50 Prozent sichert. Raiffeisen, Wiener Städtische und Bawag haben bereits signalisiert, im Fall einer Kapitalerhöhung mitzugehen.

Eigenkapital-Quote nur mehr bei 16 Prozent

Die AUA, derzeit mit starkem Konkurrenzdruck und hohen Kerosin-Preisen konfrontiert, steckt in tiefroten Zahlen fest - für 2006 rechnen Analysten mit einem Abgang von bis zu 100 Mio. Euro - und sitzt nach wie vor auf einem hohen Schuldenberg von 1,7 Mrd. Euro. Die Eigenkapital-Quote lag nach dem ersten Halbjahr lediglich bei 16 Prozent, per Ende 2005 hatte sie noch 17,6 Prozent betragen.

Zum gestrigen ÖIAG-Aufsichtsrat war jedenfalls der gesamte AUA-Vorstand geladen. Konzern-Chef Alfred Ötsch präsentierte dabei neben dem wirtschaftlichen Ist-Zustand der Airline eine Reihe von Maßnahmen zur Sanierung der AUA, aber auch die Börsestory zur unmittelbar anstehenden Kapitalerhöhung. Näheres war gestern, Montag, sowohl bei der ÖIAG als auch der AUA nicht in Erfahrung zu bringen. Zu Themen, die in der jüngeren Vergangenheit in medialer Diskussion waren, will das AUA-Management heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz in Wien Stellung nehmen. ÖIAG-Räte gaben sich bedeckt und meinten im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" nur, es gehe um "richtungsweisende Entscheidungen für das Unternehmen".

Ein AUA-Wechsel der Luftfahrt-Allianz von Star Alliance (Lufthansa) zu Sky Team (Air France), über den in Medien zuletzt mehrfach spekuliert wurde, war dem Vernehmen nach kein Thema des gestrigen sechsstündigen ÖIAG-Treffens.

Die AUA ist seit März 2000 Mitglied der Star Alliance um die deutsche Lufthansa. Derzeit erwächst der AUA durch die Lufthansa zunehmend Konkurrenz im Ostverkehr - insbesondere durch den Ausbau des Flugdrehkreuzes München.

Unter dem Strich könnte ein Allianz-Wechsel zu Sky Team durchaus positive Effekte haben, weil er der AUA mehr Möglichkeiten für ihre Osteuropa-Nische eröffnen würde, heißt es bei Analysten. Die bereits mit 1,5 Prozent an der AUA beteiligte Air France hat in Osteuropa lediglich 13 Destinationen, die AUA könnte mehr als 40 Strecken einbringen und hier eine tragende Rolle übernehmen.

Ein Allianz-Wechsel wäre freilich mit hohen Kosten (von angeblich 100 Mio. Euro) verbunden, weil die AUA in einem neuen Verbund alle Buchungs- und Vielfliegersysteme neu aufsetzen müsste.