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AUA spitzt auf deutschen Kranich

Von Karl Leban

Wirtschaft

Management und Staatsholding ÖIAG favorisieren Lufthansa. | Chancen für einen Verkauf an Air France oder Aeroflot nur gering. | Ohne strategischen Partner wird es für die AUA immer enger. Der teilstaatlichen Airline, die mit ausufernden Spritkosten und der Konkurrenz durch Billigflieger zu kämpfen hat, drohen heuer Verluste von bis zu 90 Millionen Euro. Nächstes Jahr könnte der Abgang noch dramatischer ausfallen und den Sturzflug in Richtung Insolvenz beschleunigen - falls die AUA solo bleibt.


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Wie man ihr Überleben sichern kann, wird gerade in einem Strategie-Check mit Hilfe des Beraters Boston Consulting geprüft. Ob es ohne Partner geht, ist dabei freilich nicht mehr die Frage. Mittlerweile dreht sich alles nur noch darum, wer nun an Bord geholt werden soll. Und selbst da dürfte bereits jetzt so gut wie fix sein, wem die Präferenzen gelten: nicht so sehr den kolportierten Interessenten Aeroflot und Air France, einer asiatischen Top-Fluglinie wie etwa Singapore Airlines oder einem aufstrebenden arabischen Carrier, sondern der Lufthansa.

Der mächtige Luftfahrt-Gigant, dessen Chef Wolfgang Mayrhuber bereits darauf wartet, zu Gesprächen eingeladen zu werden, wird - so ist zu hören - sowohl von der AUA als auch von der ÖIAG, ihrem staatlichen Haupteigentümer, favorisiert. Die Deutschen sollen klar vorne liegen - und das trotz der vielen Überschneidungen im Streckennetz (vor allem in Osteuropa, dem Kernmarkt der AUA) und der damit verbundenen Unsicherheiten für den Wiener Flughafen, der als Ost-Drehscheibe an Bedeutung verlieren könnte.

Allianz-Wechsel käme teuer

Zumindest was den Namen des Wunschpartners betrifft, wird das für Ende September angekündigte Schlussergebnis des Checks demnach wohl kaum überraschen. Experten sagen, die Lufthansa wäre schon deshalb der logische Partner, weil sie so wie Austrian Airlines in der Star Alliance fliegt. "Man kennt sich gut und könnte die bisherige Kooperation über einen Zusammenschluss noch weiter vertiefen."

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Nach ersten internen Berechnungen des Teams von AUA-Chef Alfred Ötsch wären die größten Einsparungen bei einem Verkauf an die Lufthansa möglich. Hinter vorgehaltener Hand ist von jährlich mehr als 100 Millionen Euro die Rede. Fachleute verweisen vor allem auf Synergien durch bessere Konditionen beim Kerosin-Einkauf und Beschaffen von Flugzeugen. Mit ihrem Partner im Rücken könnte die AUA auch ihre Flugabwicklung optimieren und außerdem mehr Druck bei den Flughafen-Gebühren machen.

Ein Wechsel zu einer anderen globalen Flug-Allianz wie etwa bei einer Übernahme durch Aeroflot oder Air France wäre indes viel zu teuer. Zumal ein solcher Kosten von deutlich mehr als 100 Millionen Euro verursachen würde.

Akute Auslastungsprobleme

Das Problem dabei: Buchungssysteme und Vielflieger-Programme müssten in einem Mammut-Projekt völlig neu aufgesetzt werden. Ebenso schwer wiegend ist: Durch den Wegfall von Code-Share-Flügen aus der alten Allianz hätte die AUA mit einem Schlag viel weniger Transfer-Passagiere - zumindest für die Dauer eines Jahres - und damit zunächst einmal akute Auslastungsprobleme.

Anders als bei Lufthansa gäbe es jedoch mit Air France und Aeroflot die wenigsten Überschneidungen im Streckennetz. Für die Franzosen wäre vor allem der Osteuropa-Verkehr, das größte Asset der AUA, eine gute Ergänzung ihres Portfolios. Die AUA hätte dabei auf alle Fälle Wachstumsperspektiven, und in weiterer Folge könnte auch der Flughafen Wien als zusätzlicher Hub zu Paris und Amsterdam aufgewertet werden. Gleiches würde wohl bei einem Verkauf an Aeroflot gelten.

Übrigens: Die österreichischen Hoteliers sind wegen der AUA in großer Sorge. Sie befürchten Einbußen in ihrer Branche und fordern die Aufnahme von Gesprächen - mit der Lufthansa.

Lufthansa

+++ Aeroflot

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