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AUA will sich Luft für Flüge in den Westen verschaffen

Von Claudia Peintner

Wirtschaft

AUA will sich von Osteuropa-Nische rausbewegen. | WKO warnt vor Streckenverlust in den CEE-Raum. | Wien.Die AUA spielt mit dem Gedanken, sich von ihrem Osteuropa-Fokus als langjähriges Aushängeschild zu verabschieden: Der Austrian-Airlines-Vorstand Andreas Bierwirth kündigte letzte Woche bei einer Netzwerkveranstaltung in Wien an, die Strategie in Bezug auf Osteuropa zu ändern. Nur manche Strecken - nämlich Warschau, Prag und die Ukraine - seien lukrativ zu fliegen, so Bierwirth. Selbst Moskau sei keine Cash-Cow mehr.


Strecke nach Tiflis und Ekatarinenburg gekappt

Die Lufthansa-Tochter, mit einem Verlust von 63,5 Millionen Euro im ersten Quartal 2011, schaffe die Sanierung nur über die Langstrecke und Westeuropa, so der Vorstand. Im Lufthansa-Verbund gebe es zudem noch einen anderen Hub mit Osteuropaschwerpunkt - nämlich München. Viele Experten hatten bereits im Zuge der Lufthansa-Übernahme 2009 prophezeit, dass Wien seine Funktion als Osteuropa-Drehscheibe an Bayern verlieren könnte.

Dafür spricht laut Flugexperten: Die deutsche Mutter Lufthansa könnte aufgrund ihres Langstrecken-Schwerpunkts mehr Anschlussgäste aus Übersee via München direkt nach Osteuropa transportieren.

Unter den Wirtschaftstreibenden sorgen die Bierwirth-Aussagen für Aufregung. "Ein Verlust der Hub-Funktion und der vielen Verbindungen in den CEE-Raum wäre für die Wirtschaft in Wien dramatisch", alarmierte am Dienstag Wirtschaftskammer-Wien-Präsidentin Brigitte Jank.

Auch Headquarters Austria, Vertreter von rund 50 im Ausland aktiven Firmen, betont, dass die Geschäftsleute darauf angewiesen seien, abgelegene Regionen in Mazedonien oder im Kosovo von Wien aus zu erreichen. Gerade die guten Flug anbindungen seien ein Lockmittel, um internationale Betriebe in Wien anzusiedeln.

Noch vor vier Jahren hatte Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch das Ziel vorgegeben, jedes Jahr drei bis vier neue Destinationen im CEE-Raum aufzunehmen. Einen Führungswechsel und eine Übernahme später rudert man nun zurück: Wegen der Konzentration auf Osteuropa habe die AUA in Westeuropa so wenige Ziele angeflogen, dass die Passagiere im Transit für Strecken in den Osten gefehlt hätten, erklärt Bierwirth. Eine Reduktion der Ost-Strecken steht laut dem AUA-Vorstand aber nicht zur Diskussion.

Aktuell steuert die österreichische Airline 46 Ziele in Ost- und Südosteuropa an; von Dnjepropetrowsk in der Ukraine bis Cluj in Rumänien. Im Zuge der Krise und Sanierung wurden 2009 und 2010 fünf Destinationen aus dem Programm genommen, davon zwei in Osteuropa: Ekatarinenburg in Russland und Tiflis in Georgien. Flüge nach Tiflis werden weiter über den Partner Georgian Airways angeboten.

Russen rüsteten aufmoderne Maschinen um

Genau diese Flugcarrier sind laut Experten ein Grund, warum AUA & Co in kleineren CEE-Städten kaum Zukunftschancen haben: "Geschäftskunden fliegen mittlerweile zu günstigeren Tarifen mit Aeroflot, S7 oder Rossiya", so der Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg. Im Vergleich zu früher hätten diese auf neue Maschinen und Top-Service umgestellt. Personalkosten und Flughafengebühren seien niedrig geblieben.