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Auch Bawag hängt nun am Staatstropf

Von Karl Leban

Wirtschaft

Bund und Hauptaktionär Cerberus führen Kapital zu. | Krisen-Paket gut 1,2 Mrd. Euro schwer. | Wien. Auch die Bawag PSK muss tief in den Staatstopf greifen, um die Auswüchse der Finanzkrise abfedern zu können. Eine Grundsatzvereinbarung mit der Republik Österreich ist nun fix. Demnach schießt der Bund dem fünftgrößten hiesigen Geldinstitut über den Kauf von stimmrechtslosen Partizipationsscheinen (PS) 550 Mio. Euro an Eigenkapital zu. Daneben steht er für problembeladene Wertpapiere gerade - mit einer Garantie in Höhe von 400 Mio. Euro und das für fünf Jahre. "Eine Bad Bank wird es definitiv nicht geben", betonte Bawag-Chef David Roberts am Mittwoch vor der Presse.


Auch der Mehrheitseigentümer der Bawag, der amerikanische Hedgefonds Cerberus, bleibt nicht untätig. Von ihm kommen 205 Mio. Euro in Form von Kapitalspritzen. Ob die Minderheitsaktionäre Post und Generali davon einen kleinen Teil schultern, ist noch offen. Darüber hinaus will die Bawag 50 Mio. Euro selbst aufbringen - voraussichtlich über eine spezielle Anleihe.

Hereinnahme Privater

Alles in allem bringt das fertig geschnürte Krisen-Paket somit mehr als 1,2 Mrd. Euro auf die Waage. Auf die Rekapitalisierung allein entfallen 805 Mio. Euro. Bis Ende Juni soll diese Summe unter Dach und Fach sein. Mit den frischen Mitteln steigt die Eigenkapitalquote der Bank von zuletzt 6,9 auf knapp 10 Prozent.

Detail am Rande: Staatsgarantierte Bonds sind für die einstige Gewerkschaftsbank - im Gegensatz zu anderen heimischen Geldhäusern - kein Thema.

Wie Roberts erklärte, werde der Staat das 550-Millionen-PS-Kapital zunächst voll zeichnen. Geplant sei aber, 30 Prozent, also 165 Millionen, bei institutionellen Investoren zu platzieren. Gelingt es, diesen Privatanteil im Sinne der EU-Vorgaben zu realisieren, müsste die Bawag für das PS-Kapital mit jährlich 8 statt 9,3 Prozent dann deutlich weniger Zinsen abführen.

Womit die Bank seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise besonders schwer zu kämpfen hat, ist ihr Portfolio an toxischen Wertpapieren, die vor allem in den Jahren 2003 bis 2005 (noch vor dem Einstieg von Cerberus) angeschafft worden waren. Deren Wert hat sich inzwischen auf 1,7 Mrd. Euro halbiert.

Kräftige Abwertungen

Im vergangenen Jahr gab es auf diese "Problem-Papiere" laut Roberts Abwertungen von 870 Mio. Euro, wobei der größte Teil als Folge des Zusammenbruchs von Lehman Brothers auf das vierte Quartal entfiel. Die echt realisierten Verluste bezifferte der Bawag-Chef mit 50 Mio. Euro.

Dass die Bank 2008 wegen ihrer Giftpapiere tiefrote Zahlen schrieb, ist denn auch nicht unbedingt überraschend. Trotz solider Ergebnisse im operativen Geschäft weist die Konzernbilanz unter dem Strich einen Verlust von 547,5 Mio. Euro aus - nach einem Minus von 452,5 Millionen im Jahr davor.

Roberts versicherte allerdings: "Die neue Bawag ist gesund." Er verwies vor allem auf den hohen Liquiditätspolster von 6,2 Mrd. Euro - und auf den operativen Jahresüberschuss vor Steuern. Dieser sei 2008 um 82 Prozent gestiegen, was zeige, dass die Bank im Kerngeschäft gut unterwegs sei, sagte Roberts. Bei der Zahl der Kunden konnte die Bawag um zehn Prozent zulegen, insgesamt 110.000 Privat-Konten wurden im vergangenen Jahr neu eröffnet.

Erstquartal profitabel

Zum ersten Quartal 2009 sagte Roberts nur, dass es profitabel gewesen sei. Aus heutiger Sicht sei das auch fürs Gesamtjahr geplant. Indes wird der bisherige Plan, bis 2012 auf eine halbe Milliarde Gewinn zu kommen, um ein bis zwei Jahre nach hinten verschoben. Im Übrigen sind allfällige Dividenden bis auf weiteres eingefroren. Roberts ist dafür, das Geld in der Bank zu lassen.

Nichts Wesentliches wird sich seinen Aussagen zufolge dieses Jahr beim Personalstand verändern. Der umfasst aktuell rund 3900 Mitarbeiter. Roberts: "Das Sparprogramm zum Abbau von 400 Stellen ist weitgehend abgeschlossen."