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Auch der Bund kommt in die Jahre

Von Stefan Melichar

Politik

Versuch, durch Personalentwicklung gegenzusteuern. | Heinisch-Hosek forciert Wechsel zwischen Ressorts. | Wien. Geht es darum, im öffentlichen Dienst Personal einzusparen, bedienen sich Regierungen seit vielen Jahren eines einfachen Rezepts: Durch Pensionierungen frei werdende Stellen werden nicht oder nur teilweise nachbesetzt.


Damit vermeidet man soziale Härten und Kollisionen mit dem Beamtendienstrecht, nimmt aber gleichzeitig eine - auf Dauer nicht zu unterschätzende - Nebenwirkung in Kauf: Dadurch, dass weniger junge Mitarbeiter nachkommen als früher, droht eine Überalterung des Personals.

Laut den jüngsten verfügbaren Zahlen des Bundeskanzleramts ist das Durchschnittsalter der Bundesbediensteten von 1995 bis 2008 von 40,5 auf 44,4 Jahre gestiegen. Waren 1995 35 Prozent der Mitarbeiter 45 Jahre alt oder älter, waren es 2008 bereits 52 Prozent.

Leistung und Motivation

Die sich ändernde Altersstruktur werde in den kommenden Jahren "zu einer großen Herausforderung für das Personalmanagement werden", so die Experten des Kanzleramts im Personalbericht 2009 (der heurige erscheint im September). Entscheidend sei, wie man Leistungsfähigkeit und Motivation einer alternden Belegschaft erhalten kann, welche Schulungsmaßnahmen nötig seien, und wie Arbeitszeit und Arbeitsorganisation bedürfnisgerecht zu gestalten wären.

Im Finanzministerium gibt es seit dem Jahr 2006 ein Projekt, das sich mit generationsspezifischen Arbeiten befasst. Lisa Mandl, die in diesem Bereich tätig ist, empfiehlt jeder Führungskraft, zunächst die Altersstruktur der jeweiligen Organisationseinheit genau zu analysieren - sei es nun ein einzelne Abteilung oder ein ganzes Finanzamt. Je nach den Ergebnissen könne man dann Maßnahmen setzen.

Neben dem Gesundheitsbereich spielt laut Mandl im Finanzressort vor allem der Bereich der Wissensweitergabe eine entscheidende Rolle. "Wissen ist das Kapital unserer Organisation", so die Personalentwicklerin. Jedesmal, wenn ein Mitarbeiter ausscheidet, drohe sehr viel an Expertenwissen verloren zu gehen. Deshalb habe man das sogenannte Wissensmentoring ins Leben gerufen, erklärt Mandl. Dabei erhalten Mitarbeiter, die das Ressort verlassen, rechtzeitig ihren eigenen Nachfolger zur Seite gestellt, der sie dann im Arbeitsalltag begleitet.

Klaus Platzer, oberster Personalvertreter im Finanzministerium, beklagt dennoch die restriktive Besetzungspolitik. Er fordert aktiv eine verstärkte Aufnahme junger Mitarbeiter: Eine gute altersmäßige Durchmischung sei "betriebswirtschaftlich wichtig", so Platzer. Es gäbe Tätigkeiten, die besser für Junge geeignet wären, und solche, wo Ältere ihre Qualitäten ausspielen könnten.

Zunächst scheint es jedoch nicht so, als würde der Staat auf breiter Front von der Sparstift-Personalpolitik abgehen. Der - bis 2014 festgeschriebene - Personalplan des Bundes sieht weiterhin die Nachbesetzung nur jeder zweiten Stelle vor (Ausnahmen gibt es im Exekutiv- und Bildungsbereich). Aus Sicht des Beamtenministeriums muss sich daran auch nichts ändern - die Notwendigkeiten der Altersstruktur seien hier bereits berücksichtigt.

Allerdings setzt Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek verstärkt auf ressortübergreifende Jobwechsel, um "das verfügbare Personal auch tatsächlich dort einzusetzen, wo es gebraucht wird." So wurde zuletzt vereinbart, dass rund 400 Bundesheerbedienstete freiwillig zur Finanz wechseln, um dort in der Betrugsbekämpfung eingesetzt zu werden.

2015 als Wendepunkt?

Insgesamt gibt es rund 1000 Beamte beim Bundesheer, die dort in absehbarer Zukunft keine Beschäftigung mehr finden dürften. Dies gilt auch für zahlreiche unkündbare Bedienstete von Post und Telekom. Hier sind bereits 250 Mitarbeiter in die Polizeiverwaltung gewechselt. Heinisch-Hosek will insgesamt rund 1000 Bedienstete von Post und Telekom zur Polizei bringen.

Ob das Prinzip, nur jede zweite Stelle nachzubesetzen, auch nach 2014 noch zur Anwendung kommt, ist laut Beamtenministerium offen. 2011 wird die Budgetvorschau bis 2015 verhandelt, da wird man dann weitersehen. Nichtsdestoweniger soll es im einen oder anderen besonders betroffenen Ressort auch auf Dienstgeberseite bereits jetzt Zweifel am 2:1-Prinzip geben.

Ab 2015 kommt übrigens noch ein weiteres personaltechnisches Problem dazu: Da gehen dann nämlich die im Bundesdienst besonders stark vertretenen Jahrgänge in Pension. Gleichzeitig sorgt die demographische Entwicklung aber dafür, dass das gesamte Arbeitskräfteangebot abnimmt: Der Bund wird sich anstrengen müssen, will er den Privatunternehmen den gut qualifizierten Nachwuchs wegschnappen.