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Auch ein Jahr nach der Flut keine Entwarnung in Mosambik

Von Brigitte Pilz

Politik

Das Land im südlichen Afrika ist im Frühjahr 2000 durch eine Überschwemmungskatastrophe mit verheerenden Folgen stark in unseren Medien präsent gewesen. Dies hat eine Welle von internationaler Hilfsbereitschaft ausgelöst. Mit großer Heftigkeit kam der Regen heuer wieder. Erneute Überschwemmungen waren die Folge. Noch kann keine Entwarnung gegeben werden.


"Gerade hatten wir uns auf ein Jahr danach vorbereitet. Von Fernsehteams und Journalisten waren die Flüge bereits gebucht, um nachzusehen, wie die Situation in Mosambik zwölf Monate nach der Überschwemmungskatastrophe aussieht. Dann kam wieder der große Regen." Dies berichtet Christian Zeininger, der Koordinator der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Mosambik.

Im vorigen Jahr waren zwei Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen, eine halbe Million hat das gesamte Hab und Gut verloren. Zwar besitzen die meisten Familien wenig - doch wenn die Wohnhütte weg ist, die Ernte und vor allem das Saatgut, wird ein Neuanfang schwierig. Trotzdem ist ein Großteil der Betroffenen inzwischen in die angestammten Gebiete zurückgekehrt. Und viele stehen mit den neuerlichen Überschwemmung wieder vor dem Nichts, vor allem Siedler im Zentrum des Landes.

Die großen Überschwemmungsgebiete lagen im Jahr 2000 im Süden um den Fluss Limpopo und im Zentrum in der Provinz Sofala bis hinauf zum Fluss Buzi. Heuer ist wieder das Zentrum und der Norden bis etwa zum Fluss Sambesi betroffen.

Zeininger: "Die Situation ist im Moment nicht so dramatisch wie im Vorjahr. Sie ist aber nach wie vor sehr angespannt. Rund 30.000 Menschen sind bisher in Auffanglager gebracht worden. Bis Ende April kann es noch zu starken Regenfällen kommen." Eine Gefahr liegt darin, dass die beiden großen Kraftwerke am Sambesi (Kariba in Sambia bzw. Simbabwe und Cahora Bassa in Mosambik) fast bei ihrem Wasserhöchststand angelangt sind, und bei weiteren Regenfällen zusätzliche Schleusen geöffnet werden müssten.

Auf eine mögliche größere Katastrophe ist man heuer in Mosambik besser vorbereitet als im Vorjahr. Dies ist in einem Land, das zu den sieben ärmsten der Welt zählt, keine Kleinigkeit. Das im letzten Jahr im Ernstfall erprobte Zusammenspiel von Regierung, lokalen und internationalen Hilfsorganisationen stellt bislang eine ausreichende Versorgung der unmittelbar Betroffenen mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und sonstigen Hilfsmitteln sicher. Zwei Probleme bereiten Sorge: Die Infrastruktur (Straßen, Pisten) liegt nach wie vor darnieder, so dass ein rascher Transport schwierig ist. Und: Die Menschen wollen nicht vorzeitig evakuiert werden. Wenn der Wettlauf mit den steigenden Fluten beginnt, kann es zu spät sein. "Die Bauernfamilien in den flachen Flusslandschaften Mosambiks sind es gewohnt, mit Überschwemmungen zu leben", erklärt Zeininger diese Haltung. "Die Frage ist immer nur, wie hoch wird das Wasser steigen und wie lange wird es bleiben."

Versprechen und ihre Umsetzung

Das internationale Interesse an den Überschwemmungen war im Vorjahr sehr hoch. Die Medienpräsenz der Katastrophe hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Auf einer Konferenz der sogenannten "internationalen Gebergemeinschaft" in Rom wurden Zusagen in Höhe von 450 Mill. US-Dollar gemacht. Was ist damit geschehen? Kürzlich wurde in London ein Bericht präsentiert, der dokumentiert, dass davon erst 160 Millionen nach Mosambik geflossen sind. Für 260 Millionen gibt es konkrete Projektzusagen. Der Rest ist weiterhin ein Versprechen.

Wenn Hilfe mehr sein soll als das unmittelbare Retten von Leben, das Verteilen von Nahrungsmitteln oder die medizinische Versorgung, dann braucht sie gewiss ihre Zeit. Nachhaltigkeit ist nötig. Sie ist durch sichere Behausungen für Jahre, Bau von Dämmen und Straßen, Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung, die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten, aber auch die Klärung von Landbesitz in neuen Siedlungsgebieten zu erzielen. Dazu braucht es das Ausarbeiten gut durchdachter Projekte, die Beteiligung der Bevölkerung und eine funktionierende Koordination zwischen internationalen Organisationen und der Regierung des Landes. Diese Erfolge können einen Jahr nach der Katastrophe noch nicht gemessen werden. "Trotzdem", sagt Zeininger, "vieles ist unkoordiniert gelaufen. Es war viel Geld da, viele Organisationen, viel Hilfspersonal." Zu viel auf einmal?

Er selbst war für die gezielte Verwendung der von der österreichischen Regierung zugesagten Nothilfe in Höhe von 14 Mill. Schilling verantwortlich. Ein Vorteil bestand darin, dass die Provinz Sofala, die von der Überschwemmung schwer betroffen war, schon seit Jahren Projektgebiet der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist, für die Mosambik eines der acht Schwerpunktländer darstellt. Die Zusammenarbeit mit der lokalen Verwaltung und mit der Bevölkerung ist gut eingespielt. Man hat auf Wiederaufbau gesetzt und die Umgesiedelten mit Manjokwurzeln und Süßkartoffeln für den Anbau versorgt. In einem etwas höher liegenden Gebiet wurde die Gründung eines neuen Dorfes mit der Finanzierung von Häusern unterstützt. Der Ausbau der Trinkwasseranlagen und des Sanitärbereiches ist noch im Gang. "Wichtig ist es, dass man sich nach den ersten Sofortmaßnahmen nicht zurückzieht und die Leute ihrem Schicksal überlässt. Dauerhafte Hilfe braucht ein Engagement über die unmittelbare Katastrophe hinaus."