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Auch eine Pleite von BP ist nicht das Ende für Öl aus den Tiefen des Meeres

Von Helmut Dité

Analysen

Die BP-Aktie steigt wieder - am Montag in London legte das Papier zeitweise um mehr als fünf Prozent zu, obwohl der britische Energieriese bekannt gab, dass er zweieinhalb Monate nach dem Untergang der Plattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko bereits mehr als drei Milliarden Dollar für die Bewältigung der Katastrophe aufbringen musste. BP wies erneut darauf hin, dass es noch "zu früh" sei, um die endgültigen Kosten der Ölkatastrophe abzuschätzen. Die Schätzungen von Experten reichen von 30 bis zu 100 Milliarden Dollar.


Laut britischen Medienberichten sind Gespräche mit Staatsfonds in Kuwait, Abu Dhabi und Qatar über eine Kapitalerhöhung um bis zu acht Milliarden Dollar in Gang. Auch der französische Ölriese Total soll an einer strategischen Beteiligung oder am Kauf diverser BP-Teilbereiche sehr interessiert sein, hieß es. Durch Verkäufe von Beteiligungen und Geschäftsfeldern will BP im Kampf um seine Eigenständigkeit heuer zehn Milliarden Dollar erlösen.

Die BP-Aktie ist seit Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko um mehr als die Hälfte auf rund 320 Pence eingebrochen. Wenn der Ölgigant nicht in ruhigeres Fahrwasser gebracht werde, könne BP ins Visier von Rivalen wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell oder PetroChina geraten, meinen Analysten - oder auch sogar pleite gehen.

Aber das Ende der Tiefwasserbohrungen ist das Desaster im Golf von Mexiko wohl kaum: Erst letzte Woche schrieb Norwegen Lizenzen für fast 100 Erkundungsblöcke in der Nordsee aus, der brasilianische Ölkonzern Petrobras ließ sich eine gigantische Kapitalerhöhung um bis zu 68 Milliarden Euro - die höchste in der gesamten Börsengeschichte - genehmigen, um Tiefseeölfelder vor Rio de Janeiro erschließen zu können. Und in der Arktis vor Neufundland hat Chevron ein Bohrloch in 2600 Meter Wassertiefe begonnen, mehr als 1000 Meter tiefer als bei der explodierten "Deepwater Horizon", so der "Spiegel".

Der Öldurst der Industriestaaten lässt zwar bereits nach, die Schwellenländer aber sorgen für weiter steigende Nachfrage. Und neue Quellen finden sich nur mehr in der Tiefsee - 2002 wurden erst drei Prozent der weltweiten Ölproduktion von dort geholt, 2012 werden es wohl mindestens zehn Prozent sein.

Und auch im Golf von Mexiko - wo allein im US-amerikanischen Teil 3700 Förderplattformen in Betrieb sind - wird weiter gebohrt werden: sehr, sehr ergiebige Felder liegen dort.

Laut "Washington Post" hat die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auch offenbar keine Auswirkungen auf die Rolle von BP als wichtiger Treibstofflieferant des US-Militärs: Seit dem Untergang der Bohrinsel sei "mindestens ein großer Vertrag" mit dem Pentagon neu unterzeichnet worden. Die heuer laufenden Verträge zwischen BP und dem Pentagon hätten einen Umfang von 980 Millionen Dollar. Auch 2009 war BP der größte Treibstofflieferant der US-Streitkräfte.

Siehe auch:Ölkatastrophe kostete BP bisher schon mehr als 3 Milliarden Dollar