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Auch in der Wiener SPÖ ist jetzt das Sicherheitsgefühl gekippt

Von Walter Hämmerle

Analysen

Es bedarf keiner offiziellen Bestätigungen oder treuherziger Dementis mehr: Wer Ohren hat zum Hören und Augen zum Sehen, dem ist längst klar, dass in Wien der Wahlkampf begonnen hat. Natürlich läuft dieser noch nicht auf Hochtouren, braucht doch auch eine Kampagne wie jedes Theaterstück einen Spannungsbogen, der die Aufmerksamkeit der Zuschauer bis zum Schluss in ihrem Bann hält. | Für die alleinregierende SPÖ geht es in dieser frühen Phase darum, interne Schwachstellen und Angriffsflächen zu beseitigen: An erster Stelle ist hier die Law&Order-Offensive mit Zielrichtung Gemeindebau zu nennen. Es gilt, den Generalangriff der FPÖ auf dieses rote Herzstück abzuwehren. Die SPÖ spürt, dass das von ihr eifrig getrommelte Selbstbild Wiens als "bestverwaltete und sicherste Metropole" zu kippen droht.


Fast jeder kennt jemandem, der schon mit den Schattenseiten der Großstadt in Berührung gekommen ist: Diebstahl, Einbruch, Drogen, Mord - verstärkt wird all das noch durch die tägliche Bericherstattung in den Medien. Ein neues Bedrohungsgefühl beginnt sich in den Köpfen in Wien festzusetzen.

Unter die Rubrik "Angriffsflächen beseitigen" fällt auch der Rückgang von Grete Laska. Lange hat sich Bürgermeister Michael Häupl vor seine langjährige Wegbegleiterin gestellt und alle Attacken gegen sie abprallen lassen. Die Liste an Verfehlungen, die ihr die Opposition ankreidet, ist lang. Zunehmend entdeckten auch die Wiener Lokalmedien dieses Thema. Laska wurde zum Schwachpunkt im Häupl-Team.

Bisher reagierte man im Wiener Rathaus nach dem Motto "Wir lassen uns niemanden aus den eigenen Reihen herausschießen" - wohl nicht zuletzt deshalb, weil man es sich leisten zu können glaubte. Aber auch dieses - diesmal parteipolitische - subjektive Sicherheitsgefühl ist nun ganz offensichtlich gekippt: In der Wiener SPÖ scheint man zur Überzeugung gelangt zu sein, dass man sich mit Blick auf den Wahltermin gar nichts mehr leisten kann. Mit dem Rücktritt Laskas hat Häupl eine der besten Wahlhelferinnen der Opposition zu seinem eigenen Vorteil aus der Schusslinie genommen.

Er zeigt damit, dass er die Kampfansage der FPÖ sehr wohl ernst nimmt. Er will sein politisches Erbe, die Rückeroberung des "roten Wien" im Form der absoluten Mehrheit, verteidigen. Dazu ist er, wie die jüngsten Manöver (etwa Gratis-Kindergarten und Law&Order) zeigen, zu bemerkenswerten Kursänderungen willens - auch im personellen Bereich. Auch ihn kümmert, wie weiland schon Adenauer, nicht mehr sein Gewäsch von gestern.

Und quasi zum Drüberstreuen hat Häupl Vizebürgermeisterin Renate Brauner mit Christian Oxonitsch noch einen Konkurrenten ins Osternest gelegt, wenn es eines Tages um das Erbe Häupls geht.