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Auch in Osteuropa siegt der Mobilfunk

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

Schlechte Netze vertreiben Kunden. | Breitband-Internet "fast nicht möglich". | Wien.Ehemalige Telekom-Monopolisten in Zentral- und Südosteuropa (CEE) stehen vor den gleichen Problemen wie ihre westeuropäischen Kollegen: Der profitable Mobilfunk bringt das Festnetz unter Druck. "Seit der Marktliberalisierung sind die Mobilfunktöchter der wesentliche Erfolgsfaktor in CEE", betonte Julian Pötzl, Telekom-Experte der Berater Roland Berger, bei der Präsentation der Studie "CEE Weather Report Telekom".


Durchschnittlich 40 Prozent der Haushalte in den untersuchten Ländern Polen, Tschechien, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Ukraine und Russland haben einen Festnetzanschluss (Österreich: 54 Prozent). Telekom-Konzerne wie Orange, O2 oder T-Mobile, die die Privatisierungswelle für den CEE-Markteintritt nützten, hätten "Mobilfunk-Infrastrukturen aufgebaut, weil es schnell ging und günstiger war", erklärt Pötzl. Genau diese Strategie bringe aber jetzt das Festnetz unter Druck. "In ganz Europa überlegen sich Ex-Monopolisten, wie sie das Festnetz gewinnbringend positionieren können. In Mittel- und Osteuropa ist die Frage noch gravierender, da die geringe Festnetz-Verbreitung, die schlechte Netzqualität und die niedrige Anzahl an Computern die Kunden zu den Mobilfunkern treibt", erklärt Ko-Autor Paul Drazdil, Telekom-Experte der UniCredt.

Überfällige Aufrüstung

Was die Modernisierung des Netzes erschwert. Die Übertragung großer Datenmengen über Breitband-Internet sei "fast nicht möglich" und der Ausbau des Glasfaser-Netzes zu selbigem Zweck wegen der schlechten Grundinfrastruktur erschwert, sagte Drazdil. Und räumte ein: "Ein Investment in ein neues Netz ist nur interessant, wenn eine Regulierungsssicherheit besteht, damit man sich ausrechnen kann, wie sich die Investition rentiert." In dasselbe Rohr hatte Rudolf Fischer gestoßen, der als Festnetz-Chef der Telekom Austria jüngst zurückgetreten ist. Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe würden nur getätigt, wenn die Regulierungsbehörde die Auflagen für die Telekom zurücknimmt. Diesem Wunsch kam die Behörde aber nur teilweise nach.