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Auch Japaner sagen: "Danke, nein"

Von Franz Steinbauer und Helmut Dité

Wirtschaft

Nach den Russen sagen die Japaner als AUA-Investoren ab. | ÖIAG-Aufsichtsrat berät heute. | Molterer: "Keine Konkursgefahr, aber die Zeit drängt." | Tokio/Wien. Knapp vor der mit Spannung erwarteten heutigen ÖIAG-Aufsichtsratssitzung zum Verkauf der teilstaatlichen AUA sagt mit der japanische Fluglinie ANA (All Nippon Airways) erneut eine der für einen Einstieg bei der AUA als Favorit genannten Airlines ab. Man verfolge "keine stärkere Bindung an die AUA als bisher", teilte ANA-Sprecher Rob Henderson auf Anfrage der "Wiener Zeitung" mit.


Man sei mit der langjährigen Zusammenarbeit innerhalb des Luftfahrtbündnisses Star Alliance sehr zufrieden, das Verhältnis zu AUA sei ausgezeichnet. Natürlich wünsche man der AUA viel Erfolg bei der Suche nach Investoren, betonte der ANA-Sprecher.

Japaner waren bereits in 90er Jahren beteiligt

Mit dieser höflichen, aber klaren Absage der ANA, die bereits zwischen 1989 und 1999 mit bis zu zehn Prozent an der österreichischen Fluglinie beteiligt war, wird die vom Berater Boston Consulting erstellte "Wunschliste" der möglichen strategischen Investoren für die AUA jeden Tag kürzer. Erst am Mittwoch hatte, wie berichtet, die russische Fluggesellschaft Aeroflot - die noch im Juni grundsätzliches Interesse an einem Einstieg bei der AUA geäußert hatte - erklärt, dass sie nun nicht mehr an den Österreichern interessiert sei: Das Risiko überwiege die Vorteile.

Die Aufsichtsräte der Staatsholding ÖIAG - sie ist mit gut 43 Prozent größter AUA-Aktionär - wollen heute, Freitag, Empfehlungen für die weitere Privatisierung der angeschlagenen AUA beschließen. Geht es nach ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis, so sollte beim Sommer-Ministerrat Mitte August von den beiden Noch-Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP ein Privatisierungsauftrag für den gesamten Staatsanteil der Airline erteilt werden. Die diskutierte Privatisierung der AUA falle in die Zeit der "schwersten Krise der Luftfahrtindustrie seit 9/11", weshalb AUA und ÖIAG rasches Handeln einmahnen. Man sollte bei der europaweit anlaufenden Fusionswelle "vorne dabei sein", so AUA-Chef Alfred Ötsch.

Die ÖIAG darf erst nach einem Privatisierungsauftrag der Regierung offiziell den Verkauf ihrer Anteile verhandeln. Laut ÖIAG soll es dann ganz schnell gehen: Der Partner sollte schon bis Ende Oktober feststehen, wünscht sich Michaelis.

Vizekanzler Wilhelm Molterer - er ist als Finanzminister für die ÖIAG zuständig - drängte am Donnerstag erneut auf die rasche Erteilung eines Privatisierungsauftrages für die AUA, wie der VP-Obmann bei einer Pressekonferenz sagte. Insolvenzgefahr bestehe für die Fluglinie zwar nicht, meinte er auf eine Journalistenfrage. Trotzdem sei eine baldige Lösung nötig. In einem Interview mit dem "Wirtschaftsblatt" meinte Molterer: "Wenn wir jetzt nicht handeln, dann könnten wir den richtigen Zeitpunkt versäumen. In der Airline-Branche wird in den kommenden zwölf Monaten kein Stein auf dem anderen bleiben."

"AUA ohne Partner nicht lebensfähig"

Auch VP-Finanzsprecher Günter Stummvoll mahnte am Donnerstag dazu, "jetzt schnell" einen guten Partner zu finden, damit "die Zukunft dieses attraktiven österreichischen Unternehmens gesichert ist". Die AUA könne, so Stummvoll, ohne einen starken Partner langfristig gesehen nicht überleben.

Die SPÖ knüpft ihre Zustimmung noch an eine Reihe von Bedingungen. Unter anderem will sie - wie auch VP-Politiker und die Wiener Airport-Chefs - gewährleistet wissen, dass ein AUA-Käufer nicht Verkehr vom Flughafen Wien abzieht.