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Auch Marder hatte Grippe

Von Mathias Ziegler

Wissen

Pandemie ist nur eine Frage der Zeit. | Aber noch keine Unruhe bei Experten. | Wien/Riems. Das Vogelgrippevirus H5N1 hat eine neue Säugetierart als Wirt gefunden: Ein Steinmarder auf der deutschen Insel Rügen hat sich mit der Vogelgrippe angesteckt. Das ist am Donnerstag bekannt geworden. Der Marder stammte wie die drei infizierten Katzen aus jenem Teil Rügens, in dem bisher die meisten toten Vögel gefunden wurden.


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Josef Köfer von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) ist über diesen jüngsten H5N1-Fall nicht überrascht: "Gerade ein Marder ist als Aasfresser prädestiniert für eine Infektion." Und dass das Virus prinzipiell auf jedes Säugetier übertragen werden kann, ist laut Köfer längst durch zahlreiche Testversuche bewiesen, "es kommt auf die Dosis an".

Ein Steinmarder mit H5N1 bedeute jedenfalls noch lange nicht, dass sich das Virus schneller zum Menschen ausbreite, beruhigt Emil Reisinger, Direktor des Tropenmedizininstituts in Rostock. Dazu müsse der Erreger mutieren, "und das ist noch nicht passiert".

Mutation steht noch aus

Reisinger beschreibt drei Szenarien für H5N1-Infektionen: "Erstens ein Ausbruch in der Wildtierpopulation - da pendelt sich die Lage nach einer Durchseuchung automatisch ein, weil nicht alle Tiere am Virus sterben, sondern viele eine Immunität entwickeln." Das zweite Szenario betrifft die Übertragung auf Haustiere wie Hühner oder Katzen "und in der Folge - vereinzelt - auf Menschen", erklärt Reisinger.

Szenario Nummer drei, eine Pandemie von Mensch zu Mensch, sei derzeit "noch nicht absehbar, wird aber irgendwann kommen". Dazu müsste das Vogelgrippevirus in einem Wirt auf den Erreger der menschlichen Grippe treffen und von diesem mittels Mutation "lernen", von Mensch zu Mensch zu springen.

Skepsis gegen Impfung

Während es gegen H5N1 bereits Impfstoffe gibt, ist es laut Ages-Humanmediziner Franz Allerberger noch gar nicht möglich, für den Fall einer Pandemie vorzubeugen: "Denn wie soll man einen Impfstoff gegen ein mutiertes Virus züchten, das noch gar nicht da ist?" Von einer groß angelegten H5N1-Impfaktion hält er angesichts von weltweit 180 Erkrankungsfällen in neun Jahren nichts. "Da gäbe es mehr verkehrsbedingte Todesfälle auf dem Weg zur Impfung als durch den Erreger." Außerdem ist die H1N1-Impfaktion im Jahr 1976 in den USA für ihn ein warnendes Beispiel. Damals begann man nach Auftreten der Influenza bei Schweinen die US-Bevölkerung zu impfen. Nach etlichen Klagen wegen Impfkomplikationen wurde die Aktion durch eine richterliche Verfügung abgebrochen.