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Auch Raumfahrt braucht Ethik

Von Markus Frenzel

Wissen

Nicht nur in der Gentechnik spielt Moral eine Rolle. Selbst Weltraum-Forscher machen sich jetzt Gedanken über die ethische Grundlage ihres Handelns. Unter dem kuriosen Titel "Ethik in der Raumfahrt" haben die Europäische Weltraumbehörde (ESA) und die Kulturorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) "die sieben Weltraum-Gebote" für Astronauten und Sternenforscher veröffentlicht.


Mit dem Moralkatalog beschreiten die Forscher Neuland. "Auch die Raumfahrt darf sich der Debatte nicht entziehen", meinte der geistige Vater des Projekts, ESA-Chef Antonio Rodota.

Nur, was ist eigentlich Ethik im Weltall? Für Alain Pompidou, der die zwei Jahre dauernden Arbeiten zum Moral-Bericht koordiniert hat, sind dies vor allem "die Probleme der Verschmutzung und der individuellen Freiheiten". Sie stellen die Grundlage der sieben Kapitel des Berichts dar. Zur Verschmutzung des Weltraums zählen die Autoren unter anderem Satelliten-Schrott oder Trümmer ausgebrannter Raketenteile. Diese Verschmutzung sollte durch internationales Recht geächtet werden.

Für den Planeten Erde schließt sich ein weiterer Umweltaspekt an: Ethisch sei es, so der Moraltext, wenn mit der Weltraum-Technologie ein System zum Umweltmanagement auf der Erde eingerichtet werden könnte. Mehrere Punkte beschäftigen sich mit den Voraussetzungen für Weltraum-Forschung. So dürften Satellitenprogramme und der Zugang zu Weltall-Informationen kein Privileg reicher Industrienationen oder privater Unternehmen sein. "Um von den gleichen Rechten und Möglichkeiten profitieren zu können, müssen alle Länder Zugang zu Datenmaterial aus dem All haben", heißt es dazu in dem 136 Seiten umfassenden Bericht.

Für aktuellen Zündstoff dürfte Punkt fünf der sieben Weltraum-Gebote sorgen: "Elektronische Überwachung ist unvermeidbar geworden". Das Datenmaterial muss jedoch so verwendet werden, dass Informationen über Individuen vertraulich behandelt werden." Illusion machen sich die Verfasser des Berichts jedoch keine. Auch wenn sie auf eine große Diskussion über "Ethik in der Raumfahrt" in der Öffentlichkeit hoffen, so wissen sie doch genau, dass sich ihr Werk in erster Linie an Wissenschafter und Politiker wendet und weltweit auf freiwilliger Akzeptanz basiert. Das Interesse an dem Moral-Regelwerk ist dennoch rege. "Wir haben bereits einige Nachfragen nach dem Bericht bekommen", freut sich Chefautor Pompidou.

Ausgearbeitet wurde der Bericht unter der Aufsicht der Weltkommission für Ethik in Wissenschaft und Technologie (COMEST). 1998 hatte sich das Gremium entschlossen, eine Sondergruppe einzusetzen. Sie sollte prüfen, welche ethischen Fragen sich mit der Erforschung des Weltalls ergeben könnten. "Ethische Überlegungen müssen immer die Grundlage für Entscheidungen in diesem Forschungsbereich sein", sagt die COMEST-Vorsitzende, Islands frühere Präsidentin Vigdis Finnbogadottir. "Sowohl Bürger als auch Entscheidungsträger sollten sich an der Debatte beteiligen."