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Auf das Feuer folgen die Bagger

Von WZ-Korrespondent Tobias Müller

Politik

Die französischen Behörden sehen ihre Mission mit dem Ende des "Dschungel" von Calais erfüllt. Ihr Vorgehen wirft aber einige Fragen auf.


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Calais. Mit einem massiven Polizeiaufgebot wurde am Donnerstag das "Dschungel" genannte Flüchtlingslager bei Calais im Norden Frankreichs geräumt. Seit dem frühen Morgen verließen Migranten samt Gepäck das Gelände, angetrieben von Beamten der Sicherheitspolizei CRS, die parzellenweise das Lager durchkämmten. Verlassene Teile wurden nach und nach abgeriegelt, Migranten und Journalisten der Zutritt verweigert.

Parallel dazu ging die am Dienstag begonnene Zerstörung der Behausungen voran. Schon vor Sonnenaufgang rückte eine Demontage- Einheit mit zwei Baggern in das Gebiet abseits der Hauptstraße vor, wo nach den stundenlangen Bränden des Vortags noch immer Schutthaufen vor sich hinrauchten. Die Trümmer wurden in großen Containern abtransportiert.

Auffällig war, wie viele Bewohner des Lagers die Nacht dort verbracht hatten. Eine Gruppe von etwa zehn Männern erklärte, sie hätten in Hütten geschlafen, die vom Feuer verschont geblieben waren. Ihr Ziel sei nun Paris, sagte einer, wo ebenfalls ein Camp von Transitmigranten existiert. Die Bewohner des Camps in Calais wollten ja eigentlich nach Großbritannien weiter. Insgesamt waren es mehrere hundert Menschen, die gestern Vormittag den Dschungel verließen. Die meisten sammelten sich nahe der Autobahnbrücke beim Eingang.

Die Bilder werfen Fragezeichen bezüglich der Informationspolitik der französischen Behörden auf. Am Mittwoch hatte Präfektin Fabienne Buccio gegenüber Journalisten verkündet, die Mission sei erfüllt und der Dschungel "leer". Dass davon keine Rede sein konnte, zeigte sich noch am selben Tag. Zahlreiche Bewohner hielten sich weiter im Dschungel auf, wo bis zum Abend immer wieder kleine Feuer ausbrachen.

"Leer? Sie sehen es doch selbst"

Auch einer der Polizisten schien sich über die Formulierung der Präfektin zu wundern. "Leer? Sie sehen es doch selbst", sagte er am Donnerstag, eine Absperrung im Lager bewachend. Zu den Gründen wollte er sich nicht äußern. Deutlich ist, dass die Präfektur offenbar so schnell wie möglich einen Schlussstrich unter das Kapitel Dschungel ziehen will, dessen Räumung in Frankreich zum Wahlkampf-Thema geworden ist - spätestens, seit Präsident François Hollande diese bis zum Jahresende ankündigte.

Unklar ist derweil, wie es mit vielen der minderjährigen Migranten weitergeht. Ihre Registrierung wurde wegen der kontinuierlichen Brände Mittwochmittag ausgesetzt. Wer bereits registriert ist, kann vorübergehend in einem separaten Container-Camp am Rand des Lagers unterkommen. Zuvor war dies Personen vorbehalten, die einen Asylantrag in Frankreich stellten.

Die 1500 Betten dort sind jedoch belegt. Nach Einschätzung verschiedener Hilfsorganisationen mussten darum 60 bis 100 Minderjährige die Nacht im Freien verbringen.

Valentina Bollenback, Mitarbeiterin von Save The Children, berichtet, ihre Kollegen hätten erst gegen Mitternacht drei Jugendliche von 13 und 14 Jahren in eine geheime Notunterkunft bringen können. Sie beschreibt die Räumung und die Unsicherheit als "extrem traumatisierend" für junge Flüchtlinge. Als abschreckendes Vorbild verweist Bollenback auf die Teilräumung im Frühling, während der 129 Kinder spurlos verschwanden.