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"Auf das Gas steigen und zugleich bremsen"

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Keine Anerkennung für die eigene Arbeit, schlechte Entlohnung, ungerechte Behandlung - das sind die Umstände, aus denen Mitarbeiter mit Burn-out-Syndromen kommen. Umstände, mit denen Teilzeitbeschäftigte oft zu kämpfen haben. Eine Untersuchung des Instituts für Psychologie an der Grazer Universität gemeinsam mit research-team zeigt deutlich, dass nicht nur Arbeitnehmer mit vielen Überstunden ein erhöhtes Burn-out-Risiko haben, sondern auch Teilzeitbeschäftigte.


Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Teilzeit nicht prinzipiell als idealer Zustand empfunden wird, auch wenn diese Arbeitsform die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert. Denn die Teilzeitarbeit birgt auch "Fallen" in sich: Oft werden Mitarbeiter, die weniger Stunden arbeiten nicht voll in den Betrieb integriert, dürfen nur wenig anspruchsvolle Aufgaben erledigen und haben so gut wie keine Karrierechancen. Dazu kommt geringerer Verdienst und damit auch geringere Beiträge für die Pension.

"Die Burn-out-Gefahr ist bei den Teilzeitbeschäftigten, die mehr als 20 Wochenstunden arbeiten, am höchsten", erläutert Paul Jiménez vom Berufsverband für PsychologInnen gegenüber der "Wiener Zeitung". "Die Leute geben voll Gas und stehen dabei aber auf der Bremse", beschreibt Jiménez den Burn-out-Zustand.

"Ich bezweifle die Bedeutung meiner Arbeit", "ich fühle mich durch meine Arbeit ausgebrannt", "schon kleine Aufgaben erscheinen mir als große Hindernisse", beschreiben Betroffene ihre Empfindungen. Warum besonders Teilzeitbeschäftigte an Burn-out leiden, ist nach Ansicht von Jiménez gut nachvollziehbar: Insbesondere jene Personen, die mehr als 20 Stunden in einem Unternehmen arbeiten, fühlen sich dem Betrieb verbunden, wollen gute Leistungen erbringen, dafür Anerkennung bekommen und eine Perspektive für ihre berufliche Weiterentwicklung haben. Dem steht entgegen, dass die Unternehmen Mitarbeiter, die teilzeit arbeiten, in viele Bereiche nicht einbinden: "Besprechungen, Schulungsmaßnahmen, Informationsaustausch", zählt Jiménez Beispiele auf. Es sei aber wichtig, für alle MitrbeiterInnen gleichwertige Möglichkeiten zu schaffen. Dies bedeute eben auch die Berücksichtigung bei Schulungsmaßnahmen und selbst bei "einfachen" Besprechungen.

"Zufriedene MitarbeiterInnen leisten viel - wenn sie richtig eingebunden sind und gefordert werden. Das Engagement kann gerade bei Personen, die eine gute Unterstützung erleben, sehr hoch sein. Dazu bedarf es oft keiner großen Maßnahmen, sondern einer wertschätzenden und offenen Haltung", resümiert der Arbeitspsychologe Jiménez.

Bei Burn-out im fortgeschrittenen Stadium wird die Arbeit schwieriger und die Fehler werden mehr, beschreibt die Informationsplattform http://www.burn-out.at die Symptome. Lust- und Interesselosigkeit macht sich breit. Dazu kommt der Verlust von Emotionen. Urlaub bringt keine oder nur kurzzeitige Erholung. Bei voll ausgeprägtem Burn-out nehmen schließlich Resignation und Sinnlosigkeitsgefühle überhand. Die Betroffenen fühlen sich frustriert, schwach, einsam und hilflos.