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Auf den Kopf gestellt

Von Peter Bochskanl

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Sonntag berichtete der ARD-"Weltspiegel" über die Hetzjagd der politischen Rechten gegen Präsident Barack Obama. Da ist jedes Mittel recht, auch das der brutalen Lüge. Selbst republikanische Spitzenpolitiker verbreiten Unwahrheiten mit der gleichen Hemmungslosigkeit wie der Murdoch-Sender "Fox news".


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Speerspitze ist dessen Moderator Glenn Beck. Er indoktriniert über drei Millionen Zuseher jede Woche mehrmals mit seinen Polemiken gegen Obama. Gleichzeitig organisiert er Riesenveranstaltungen, auf denen er als Starredner seine Hetzkampagne gegen den Präsidenten führt. Dort stößt die gescheiterte Vizepräsidentschafts-Kandidatin der Republikaner und nunmehrige Ikone der rechten Tea-Party-Bewegung, Sarah Palin, ins selbe Horn. Auch sie ist unter Vertrag bei "Fox news", die über diese quasi selbstinszenierten Ereignisse dann breit berichten.

Und die Schlammschlacht hat Erfolg: Schon glauben 34 Prozent der Amerikaner, dass Obama ein Moslem sei, immer mehr sind überzeugt, die Gesundheitsreform des "neuen Hitler" führe in den Faschismus. Ja es greift sogar die Behauptung, Obama sei gar kein Amerikaner, weil er in Hawaii geboren sei - viele Amerikaner wissen eben nicht, dass die Insel ein US-Staat ist. Verantwortungsvoller Journalismus scheint machtlos: Das seriöse CNN büßte die Hälfte seiner Zuseher ein, "Fox news" aber legten um 50 Prozent zu. Die Binsenweisheit, die USA spiegelten sich in fünf bis zehn Jahren in Europa wider, wird hier zur Horrorvision. Mehren sich doch auch diesseits des Atlantiks die Versuche, Medienfreiheit und Demokratie auf den Kopf zu stellen.