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Auf den Regenwurm gekommen

Von Petra Tempfer

Politik

Kompostkisten lehren Schüler den Kreislauf der Natur. | Würmer in luftiger Höhe gehalten. | Absdorf. In den luftigen Ställen des Biobauern Alfred Grand im niederösterreichischen Absdorf stehen nicht etwa Rinder, Schafe oder Pferde. Grands europaweit einzigartige Farm beherbergt bis zu sieben Zentimeter kleine Tierchen, die dafür millionenfach vertreten sind: Regenwürmer. Diese werden unter anderem in kleine Kompostkisten gesetzt, die anschließend an Schulen und Kindergärten verteilt werden: Wofür der Biobauer und Bodenpraktiker nun von der Unesco im Rahmen des Dekadenprojekts "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet worden ist.


Vorläufer der prämierten Wurmkompostkiste sind bereits vor zehn Jahren entstanden - seit 2000 verteilt der Biobauer die heutige Version mit der Bezeichnung "Meine kleine Farm" an niederösterreichische Kinderbetreuungsstätten.

In dem Gesamtpaket, das laut Grand den Kindern den Kreislauf der Natur näherbringen soll, sind neben allerlei Zubehör, wie etwa einem Handrechen oder einer -pumpe, auch eine DVD mit Unterrichtsmaterial, ein Anleitungsheftchen und etwa 500 heimische Regenwürmer enthalten. Diese fressen sich durch das mitgelieferte Substrat in einem 60 Zentimeter hohen Kunststoffbehälter.

Dieser ist somit Lebensraum und Mistkübel zugleich: Für die Bio-Abfälle der Schüler und Kindergartenkinder. "Die Regenwürmer fressen täglich ihr Körpergewicht", weiß Grand, "nach etwa einer oder zwei Wochen sehen die Kinder, wie sich ihre pflanzlichen Jausenresten in wertvollen Kompost verwandelt haben." An diesem Punkt wird durch die Kinder der Kreislauf geschlossen - indem sie mit dem Kompost ihre Pflanzen im Klassenzimmer düngen.

Neugestaltung geplant

Bisher konnten lediglich Kinder aus Niederösterreich in "Meine kleine Farm" eingeführt werden. "Mit der finanziellen Unterstützung der Niederösterreichischen Landesregierung konnte das Projekt vor acht Jahren gestartet werden", erklärt Grand, der plant, dass sein Regenwurm-Kompost auch an Wiener, steirischen und Kärntner Schulen Zimmerpflanzen zum Wachsen bringt. Mit Freiburg in Deutschland wird ebenfalls verhandelt.

Allerdings müssen dafür noch Sponsoren und Partner gefunden werden - ein Kistchen kostet 150 Euro, in Niederösterreich finanziert das Land 80 Prozent und übernimmt außerdem die Kosten für die Auslieferung und die Einschulung.

"Aufgrund der Unesco-Auszeichnung wollen wir die Wurmkompostkiste nun weiter entwickeln und neu gestalten", meint der Biobauer: Um die Würmer bei der Arbeit beobachten zu können, soll künftig ein durchsichtiger Kunststoffbehälter mitgeliefert werden, in den ein Teil des Substrats mitsamt den Regenwürmern eingefüllt werden kann. In Folge kann darin etwa auch das Wachstum von Wurzeln mitverfolgt werden.

Oder wie die Regenwürmer ihr Futter fressen: Das laut Grand hauptsächlich aus Luzerne, Pferdemist und Grünschnitt besteht. Diese Grundnahrungsmittel stammen von Grands Biobauernhof selbst, der "VermiGrand Regenwurmfarm", auf der mehr als 100 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet werden.

Lieblingsfutter Luzerne

"Speziell die Luzerne wird auf unserem Bauernhof doppelt genutzt", erklärt Grand, "weil wir sie in der Fruchtfolge nutzen." An den Wurzeln der Hülsenfrucht sammeln sich nämlich Knöllchenbakterien an, die zur natürlichen Bodendüngung beitragen. Im Folgejahr profitieren die frisch gesetzten Getreidesorten davon. Die Luzerne selbst kann direkt an die Regenwürmer verfüttert werden.

Diese wohnen auf der "VermiGrand Regenwurmfarm" besonders komfortabel: In zwei 35 Meter langen, überdachten Holztrögen, die 80 Zentimeter über dem Boden schweben. "Durch diese Konstruktion in luftiger Höhe kommt es im Gegensatz zur Bodenhaltung zu keiner Vernässung", erklärt der Biobauer. Die Unterseite der Tröge besteht aus einem feinen Sieb, durch das der frisch erzeugte Kompost in Behälter rieselt, entnommen, sofort verwendet oder neben den Wurmkompostkisten und Regenwürmern verkauft werden kann.

Grand hat als Erster dieses System in Europa wieder eingeführt. Vor etwa 30 Jahren wurde es von einem Engländer entwickelt, der jedoch mit seiner Idee nach Amerika ausgewandert ist. Dort und auch in Australien bewährt sich diese Art der Regenwurmhaltung seit vielen Jahren.