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Auf den Schultern der AU lastet die Hoffnung Afrikas

Von Silvia Vogt

Politik

Die Afrikanische Union (AU) sucht auf ihrem Gipfel in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik vom 10. bis 12. Juni nach Wegen aus Krieg und Armut. Die 53 Mitgliedsländer mit 900 Mill. Einwohner auf eine gemeinsame Vorgehensweise zu einigen scheint sehr schwierig. Große Unterschiede in Geschichte, Kultur und politischer Ausrichtung trennen die Mitglieder.


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Krieg in Kongo und Liberia, blutige Gewalt in Uganda und Algerien, politische Krisen in Simbabwe und der Elfenbeinküste, Hunger in Äthiopien und Mosambik. Stichworte, die nur Schlaglichter auf die umfassenden Probleme Afrikas werfen. Es sind große Hürden der Entwicklung und des Zusammenwachsens, das die AU bei ihrem am Donnerstag begonnenen Gipfel in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo in diesen Tagen vorantreiben will.

"Hier werden die Führer und Würdenträger unseres Kontinents ihr Engagement im Kampf gegen Armut und die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung bekräftigen", betonte der mosambikanische Ministerpräsident Pascoal Manuel Mocumbi Anfang der Woche bei den vorbereitenden Sitzungen. Damit seien zwei unabdingbare Voraussetzungen angesprochen, "um Afrika und seine Völker von Hunger, Armut, Krankheit und den noch immer anhaltenden Konflikten zu befreien".

Dutzende AU-Mitglieder und rund 900 Millionen Menschen unter einen Hut zu bringen, erscheint dabei nahezu unmöglich. 52 Länder gehören der Afrikanischen Union an. Madagaskar soll als 53. Mitglied diesmal aufgenommen werden. Nicht bei der Union ist Marokko - dafür die Arabische Saharauische Demokratische Republik, die von Marokko annektierte Westsahara. In Geschichte, Kultur und politischer Ausrichtung zeigen sich große Gegensätze und tiefe Gräben. Fast alle Mitglieder sind erst seit einigen Jahrzehnten unabhängig - vor 1950 war es nicht einmal eine Hand voll - und tragen zum Teil noch schwer am Erbe der europäischen Kolonialherrschaft.

Es sei eine delikate Aufgabe, die Institutionen der AU so zu etablieren, dass alle Mitglieder damit einverstanden seien, räumte Mocumbi ein. Ohne den Beitrag jedes Einzelnen könne es keine Lösung geben. Auch zur Überwindung der "Konflikte und Krisen, die unseren Kontinent noch immer spalten" müssten sich alle Länder stark machen.

Afrikanischer Friedens- und Sicherheitsrat geplant

Seit der Gründung der Afrikanische Union, die vor einem Jahr die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) ablöste, haben die Bürgerkriege in der Elfenbeinküste, in Kongo und Liberia die internationale Gemeinschaft aufgeschreckt. Im Schatten des Interesses bleiben die Kämpfe in weiteren Krisenregionen. Ein Afrikanischer Friedens- und Sicherheitsrat mit Interventionskompetenz soll der Gewalt auf dem Kontinent künftig Einhalt gebieten, und die Einsetzung des Rats dürfte angesichts der jüngsten Entwicklungen in Kongo und Liberia ein Hauptthema des Gipfels sein. Bislang haben laut der mosambikanischen Nachrichtenagentur AIM aber erst sieben Staaten das entsprechende Protokoll ratifiziert, 26 müssen es zur Gründung des Gremiums sein.

Studien der Weltbank haben bestätigt, dass die Bürgerkriegsrate in Afrika höher liegt als im Rest der Welt. Denn von den größten Risikofaktoren haben die meisten Länder Afrikas einen zu genüge: die Armut. Laut dem am Dienstag veröffentlichten UN-Bericht zum Stand der globalen Entwicklung, dem Human Development Report 2003, liegt Afrika beim Index aus Pro-Kopf-Einkommen, Lebenserwartung und Bildungsgrad ganz hinten: Die untersten 25 Ränge auf einer Liste von 175 untersuchten Ländern werden von afrikanischen Staaten südlich der Sahara eingenommen.

Krankheit durch Mangel an Nahrung und Trinkwasser

Rund 40 Millionen Menschen von Äthiopien bis ins südliche Afrika sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Weitere Millionen Afrikaner leiden an Mangelernährung und haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Unzählige Kinder sterben an einfach zu behandelnden Krankheiten, weil ihr Immunsystem geschwächt ist und ihre Familien nicht die lebensrettenden Medikamente beschaffen können.

Durchfall, Tuberkulose und Malaria sind die größten Killer neben Aids. Von den schätzungsweise 42 Millionen HIV-Infizierten weltweit leben fast drei Viertel in Afrika. "Malaria, TB und die HIV/Aids-Pandemie wüten auf unserem Kontinent", rief der mosambikanische Regierungschef Mocumbi diese Herausforderung in Erinnerung, die die Staats- und Regierungschefs in Maputo nicht ignorieren können. Der Kampf gegen die Armut und die grassierenden Krankheiten sei überlebenswichtig und müsse "von der gesamten afrikanischen Familie getragen werden".