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Auf der Party einkaufen

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft
Mit mehr als 100.000 Tupperware-Partys pro Jahr ist Österreich das Tupperware-Land Nummer eins.
© © Andreas Pessenlehner

Anbieter zögern beim Einführen von Onlineshops.
| Umsatz im Direktvertrieb steigt stärker als in Einzelhandels-Geschäften.


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Wien. Tupperware-, Kerzerl- und Dessouspartys erfreuen sich großer Beliebtheit: Der Umsatz im Direktvertrieb steigt, sagt Michael Zacharias von der Fachhochschule Worms. Der stationäre Einzelhandel hingegen schrumpfte zuletzt sogar in Österreich. Pro Jahr beträgt das Umsatzplus sieben bis zehn Prozent, in Österreich brachten private Verkaufspartys und (angeforderte) Vertreterbesuche nach den letztverfügbaren Zahlen von 2009 rund 540 Millionen Euro ein, hat eine Studie der FH Worms ergeben. Der Bundesverband Direktvertrieb Deutschland hat im Vorjahr seinen Umsatz um mehr als sechs Prozent auf 1,23 Milliarden Euro gesteigert.

1200 Neugründungen pro Jahr verzeichnet das Gremium Direktvertrieb in der Wirtschaftskammer Österreich - für Obmann Erwin Stuprich ein Zeichen für Umsatzwachstum. "Der Einkauf ist unkompliziert und wir bieten viele Produkte des täglichen Bedarfs an", erklärt Stuprich den Erfolg des Vertriebsweges. Am häufigsten werden Putzmittel und Haushaltsgeräte, Lebensmittel und Getränke, Bekleidung und Kosmetika im Direktvertrieb gekauft, wie die KMU Forschung Austria erhoben hat.

"Der Direktvertrieb ist weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen", sagt Tupperware-Operations-Manager Peter Moser, Sprecher der Plattform Direktvertrieb im Handelsverband. Hier sind neun Firmen vom Kochtopfhersteller AMC bis zum Staubsaugeranbieter Vorwerk vertreten.

Die finanziellen Probleme der Wiener Direktvertriebs-Schmuckfirma Pierre Lang, deren Hausbank vor zwei Wochen Konkursantrag beim Wiener Handelsgericht eingebracht hat, sind für Stuprich kein Abbild für die Situation in der Branche, sondern ein Einzelfall.

"Internet kann persönliche Beratung nicht ersetzen"

Der Großteil der 15.000 bis 17.000 selbständigen Direktberater sind nebenberuflich für Unternehmen wie den Vorarlberger Reinigungsartikel-Hersteller Enjo oder den Kerzenanbieter PartyLite unterwegs.

"Für die Berater im Direktvertrieb ist beim Verdienst vom Urlaubsgeld bis zum zweiten Haupteinkommen alles möglich", sagt Moser. Ebenso wie die Berater sind die Direktvertriebs-Kunden meist weiblich, der Großteil ist zwischen 30 bis 49 Jahre alt.

Online-Shops werden derzeit nur vereinzelt von Direktvertriebs-Firmen angeboten - meist als Service für Stammkunden. "Die Stärke des Direktvertriebs ist die Kundennähe und die persönliche Beratung - das kann das Internet nicht ersetzen", sagt Stuprich. Bei Tupperware in Österreich sei Internet-Bestellung zur Zeit kein Thema, sagt Moser. Der Anbieter von Kunststoffbehältern und Haushaltsutensilien ist ohnehin mit seinen Tupperware-Partys sehr erfolgreich: Mit mehr als 100.000 Partys und mehr als einer Million Gästen im Jahr liegt Tupperware Österreich in Relation zur Bevölkerungszahl weltweit auf Platz eins aller Länder, in denen Tupperware erhältlich ist.

Direktvertrieb will sich von dubiosen Firmen abgrenzen

Sowohl die Wirtschaftskammer als auch die Plattform Direktvertrieb wollen sich von Pyramiden- und Schneeballsystemen abgrenzen, bei denen eine "Kopfprämie" für neu geworbene Mitglieder gezahlt wird. Die Wirtschaftskammer setzt auf die Golden Card für ihre Mitglieder als Nachweis für die Gewerbeberechtigung.

Moser betont: "Beim klassischen Direktvertrieb liegt der Fokus auf dem Verkauf des Produktes an die Endkunden, nicht auf dem Aufbau der Vertriebsmannschaft einer Vertriebskette."