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Auf der Suche nach dem guten Ruf

Von Stefan Beig

Politik

US-Botschafter in Wien über Obamas Außenpolitik. | Wien. Das "leidenschaftliche Bedürfnis, unseren guten Ruf in der Welt wiederherzustellen" nannte US-Botschafter William C. Eacho am Dienstagabend als Hauptmotiv für seine tatkräftige Unterstützung von US-Präsident Barack Obama im Wahlkampf. Belohnt wurde der frühere Geschäftsmann mit dem Posten des Botschafters in Wien. In der Diplomatischen Akademie informierte er das Publikum über "Kurskorrekturen" der US-Außenpolitik.


Vor allem das Streben nach gegenseitigem Vertrauen ist laut Eacho zentrales Anliegen der USA. Diese bezwecke auch die "scharf kritisierte" Entscheidung Obamas, den direkten Dialog mit dem Iran zu suchen, oder den Versuch, "ein neues Kapitel in den Beziehungen zur muslimischen Welt aufzuschlagen". Auf transatlantische Kooperation hofft die Supermacht bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise und im Kampf gegen den Klimawandel. In die Pflicht nehmen will die USA ihre Partner bei der geplanten Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo: Bei der Umsiedlung einiger Häftlinge nach Europa hofft der US-Diplomat auch auf österreichische Unterstützung. Gleiches gelte für die derzeit geprüfte Afghanistan-Strategie: "Dies ist nicht nur Amerikas Krieg - es ist eine kollektive Herausforderung."

"Der Nahostkonflikt hat keine einfache Lösung", meinte Eacho. "Unser Ziel ist es, beide Partner zu Gesprächen zusammenzubringen. Wenn eine Strategie nicht funktioniert, probieren wir eine andere." Er bestritt, dass man von Forderungen an Israel abrücke: Ein völliger Siedlungsstopp in den Palästinensergebieten sei nach wie vor Ziel. Eacho meinte auch, dass die harte Haltung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nicht der Einstellung der Bevölkerung entspreche: "Wir glauben, dass in der israelischen Bevölkerung mehr Verständnis für unsere Forderungen herrscht, als die Wahl andeutet." Nachsatz: "Man wählt Politiker aus unterschiedlichen Gründen."

Sorgen bereiten den USA nach wie vor die Taliban. "Wir können extreme Elemente in Pakistan nicht erlauben", so William Eacho. Pakistan hat Nuklearwaffen, die nicht in die Hände von Extremisten gelangen dürften.