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Auf der Überholspur in den Alltag

Von Alexandra Grass

Wissen

Fast-Track-Surgery ermöglicht rasche Rehabilitation nach Bauchoperationen. | Kreislauf und Darmtätigkeit in Schwung bringen. | Wien. Die Rehabilitationsphase nach schwierigen Bauchoperationen gestaltet sich zumeist als äußerst unangenehm und risikoreich. So bremsen starke Schmerzmittel und längere Bettlägerigkeit die Darmtätigkeit immens, was zu einer vorübergehenden Darmlähmung führen kann. Auch steigt durch langes Liegen das Risiko von Thrombosen und Lungenproblemen.


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Lange Zeit wurde eine rasche Mobilisierung nur nach orthopädischen Eingriffen forciert. Doch nach und nach auch bei Patienten nach Darmoperationen. Der Vorteil: Die Patienten können schon binnen weniger Tage in gutem und leistungsfähigem Zustand in den Alltag entlassen werden. Seine zunehmende Etablierung verdankt das sogenannte "Fast Track Surgery"-Konzept auch der rasanten Zunahme der muskel- und gewebsschonenden Schlüsselloch-Operationen.

Vier-Säulen-Konzept

Der Wiener Bauchchirurg Peter Jiru vom Evangelischen Krankenhaus in Wien importierte die Methode von Skandinavien nach Österreich. Sie basiert auf vier Säulen:

Die Schmerzbehandlung nach der Operation erfolgt vorwiegend regional, was das Risiko einer Darmträgheit stark vermindert. Mit Hilfe eines Krankenpflegers und eines Physiotherapeuten werden die Patienten zum raschen Verlassen des Bettes motiviert. Rund zwei Stunden soll der Patient schon am Tag der Operation außerhalb des Bettes verbringen, so der Mediziner.

Des weiteren werden so früh wie möglich wieder Flüssigkeit und Nahrung in Form von Schonkost verabreicht. Auch bedarf es für eine erfolgreiche Rehabilitation einer wesentlich kürzeren Operationsvorbereitung. Denn zu lange Nüchternheit vor dem Eingriff schwächt den Körper unnötigerweise.

Der Vorteil: "Kreislauf und Darmtätigkeit werden angeregt, wodurch man sich wohler fühlt und auch die Verdauung schnell wieder auf natürliche Weise funktionieren kann. Übelkeit, Erbrechen und starke Blähungen treten viel seltener auf. Auch die Gefahr eines Darmverschlusses reduziert sich auf ein Minimum", erklärt Jiru.

Oft können Fast-Track-Surgery-Patienten nach Bauchoperationen mit entsprechender Unterstützung schon nach vier bis fünf Tagen das Krankenhaus verlassen.

Perfekte Kooperation

"Diese Art der Operationsvor- und Nachbehandlung ist sehr betreuungsintensiv und setzt eine perfekte Kooperation von Chirurgen, Anästhesisten, Pflegepersonal und Physiotherapeuten voraus", betont die Anästhesistin und Schmerztherapeutin Sibylle Kozek-Langenecker.

Doch nicht in allen Fällen ist "Fast Track" angesagt. Zu Zurückhaltung tendieren die Experten vor allem bei Patienten mit starker Fettleibigkeit und solchen mit schweren Wirbelsäulenproblemen. Auch nach Akutoperationen sollte man vorsichtiger agieren und die Risken abwägen, rät Jiru.