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Auf die Frauen vergessen

Von Reinhard Göweil

Leitartikel

Auch wenn nun in den politischen Zirkeln viel darüber diskutiert wird: Von den steirischen Wahlen geht kein Signal aus. Denn auch die Freiheitlichen blieben - trotz zweistelligem Ergebnis - unter ihren Möglichkeiten (und weit unter dem Anteil, den sie mit Jörg Haider schon einmal hatten).


Das Wahlergebnis legt - nach dem üblichen Schaulaufen für die Medien über harte Regierungsverhandlungen - die Fortsetzung der rot-schwarzen Zusammenarbeit nahe. Franz Voves wird am Ende Landeshauptmann bleiben, ob Hermann Schützenhöfer die ganze Zeit bleibt, ist wohl noch nicht klar.

Für Wien bedeutet die Wahl nur einen eher unbedeutenden Aufwind für die Wiener Sozialdemokraten. Es ist für Michael Häupl tendenziell besser, dass sein Parteikollege vorne blieb, das wars.

Auch bundespolitisch wird das Wahlergebnis Werner Faymann kaum helfen und Josef Pröll kaum schaden. Ein Manko bleibt beiden Regierungsparteien allerdings haften: Sie können ihre jeweiligen Leistungen für ihre jeweiligen Kernwähler immer schlechter an den Mann bringen. Und vor allem an die Frau. In den obersteirischen Industrieorten sind viele SPÖ-Wähler zu den Blauen gelaufen, weil sie sich Sorgen machen und in der Wirtschaftskrise wegen der Kurzarbeit weniger verdient haben. Dass ihnen diese Kurzarbeitsregelung überhaupt ermöglicht hat, ihren Job zu behalten, wurde von der SPÖ kaum oder unzureichend erklärt. Erstaunlich für eine Partei, die auf soziale Themen abonniert ist. Die Volkspartei machte zwar viel auf "Styrian Spirit", doch auch sie verlor an Terrain. Agrarsubventionen sind eben nicht alles.

Keine der beiden Parteien hatte attraktive Angebote für die Frauen. Auch in der Steiermark ist die Frauen-Erwerbsquote in den vergangenen Jahren gestiegen. Die auf Schwerindustrie programmierte SPÖ und die auf bäuerliche Traditionsfamilien fixierte ÖVP vergaßen, dass ein wachsender Bevölkerungsanteil mit den herkömmlichen Slogans nichts mehr anfangen kann. Die Lebensumstände arbeitender Frauen sind generell anders. Die FPÖ deckte mit ihrem schwachsinnigen Minarett-Bummbumm-Spiel viel an inhaltlicher Diskussion zu. Unter anderem, dass sich die politischen Parteien zu wenig um Frauen und deren Notwendigkeiten kümmerten. Vom Job bis zur Schule.