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Auf die Spitzenkandidaten kommt es an

Von Walter Hämmerle

Politik

Interview mit dem österreichischen Politikberater Christian Scheucher. | Personalisierung ist Erfolgsgarant. | "Wiener Zeitung": Was können Österreichs Parteien von diesem deutschen Wahlkampf lernen?


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Christian Scheucher: Vor allem, dass man die Personalisierung in ihrer Bedeutung gar nicht überschätzen kann. Diese Wahlen waren ein Beleg dafür, wie wichtig die Persönlichkeit und die mediale Performance tatsächlich ist: Its the personality, stupid! Sowohl Kanzler Schröder wie auch Außenminister Fischer sind in dieser Hinsicht Top-Performer. Und nicht zu vergessen: Bessere Meinungsforscher engagieren! 25 Prozent Unentschlossene am Tag vor der Wahl gibt es weder in Kamerun noch in Manhattan.

Welche österreichische Partei kann sich nun durch dieses Ergebnis gestärkt fühlen?

Der einzige wirkliche Sieger ist - abgesehen von der Linkspartei - die marktliberale FDP. Dieses marktwirtschaftlich orientierte Wählerspektrum ist in Österreich allerdings noch kleiner, als es in Deutschland ohnehin schon ist. Grundsätzlich glaube ich nicht, dass das Ergebnis große Auswirkungen haben wird: Deutschland und Österreich sind zwei verschiedene Länder mit verschiedenen Regierungen.

Hat der Wahlkampf in inhaltlicher Sicht einen Vorgeschmack auf die österreichische Auseinandersetzung im Herbst 2006 gebracht?

Offensichtlich ist es der Union nicht gelungen, eine Wechselstimmung aufzubauen. Für Parteien rechts der Mitte scheint dies generell schwieriger, da man zu den Wählern schlecht sagen kann, dass alles noch schlechter wird, als es ohnedies schon ist.

Die Leute wollen lieber hören, dass alles wieder gut wird. Und hier haben linke Parteien offensichtlich einen Vorteil.