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Auf ein Cola mit Vesna Pusic

Von WZ-Korrespondentin Marijana Milijkovic

Politik

Fast ein Heimspiel: Erste Reise von Außenminister Kurz führte nach Kroatien.


Zagreb. Als er in der Botschaftsresidenz gefragt wurde "Tee oder Kaffee?" sagte Neo-Außenminister Sebastian Kurz: "Ein Cola." Wenn man unbedingt wollte, dann würde man diese Antwort seiner Jugend zuschreiben. Aber Kurz’ Alter war bei seinem ersten Auslandsbesuch, der ihn vier Tage nach der Angelobung in die kroatische Hauptstadt Zagreb führte, gar nicht Thema. Vielmehr schritt man am Freitag gleich zur Arbeit. Das eigentlich protokollarische Treffen mit der kroatischen Außenministerin Vesna Pusic wurde kurzerhand zu einem Arbeitsgespräch, bei dem sich die beiden Chefdiplomaten auf eine gemeinsame Linie zum Westbalkan einigten. "Ein fliegender Start", kommentierte Pusic, die Kurz "im mitunter etwas seltsamen und eigenartigen Kreis der europäischen Außenminister" willkommen hieß.

Die beiden vereinbarten gleich zwei Dinge: So soll im Rahmen einer Trilaterale, gebildet von Österreich, Slowenien und Kroatien, die EU-Erweiterung der Westbalkanstaaten vorangetrieben werden. Zudem sollen kroatische Diplomaten im Ausland in österreichischen Botschaften Platz finden, sofern Kroatien in den betreffenden Ländern keine offizielle Vertretung hat. Pusic und Kurz wollen die Beitrittsverhandlungen Serbiens, die am 21. Jänner 2014 beginnen, unterstützen.

Sein Kroatien-Besuch soll ein Signal senden, dass Österreich eine proeuropäische Haltung vertrete, sagte Kurz. Denn den Schwerpunkt seiner Amtszeit will der 27-Jährige auf den Westbalkan und die Erweiterung der EU legen – wenn auch nicht um jeden Preis: "Es gibt Kriterien, die eingehalten werden müssen. Wir werden keine Ausnahmen machen", sagte Kurz.

Dass sich die übrigen Westbalkanstaaten wie Bosnien und Herzegowina, Mazedonien oder Albanien der EU annähern, sei nicht ganz unegoistisch, sagte der Außenminister. "Als Nachbarn haben wir Interesse an Stabilität und Wirtschaftswachstum."

Das Interesse der österreichischen Wirtschaft ist offensichtlich: Allein in Kroatien haben 700 österreichische Unternehmen investiert, obwohl sie auf viele Hindernisse stoßen. "Es geht um Bürokratieabbau und Rechtssicherheit", sagte Kurz.

Noch am frühen Morgen gab sich Kurz zu Beginn der Reise sehr aufgekratzt, sagte er gegenüber der APA: "Ich habe in den vergangenen Tagen nicht viel geschlafen, es gibt so viel Neues aufzusaugen, aber ich bin gar nicht müde, das ist ein Phänomen." Unkonventionell gab sich der junge Außenminister bei den Sicherheitschecks vor dem Linienflug nach Zagreb, auf die er ohne jeglichen VIP-Status geduldig in der Schlange wartete.

Die nächsten Besuche führen Kurz in Nachbarstaaten Österreichs. Reisen nach Serbien, den Kosovo und Bosnien und Herzegowina stehen aber ebenfalls an. Bei Bosnien beharrt Österreich auf die Umsetzung eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, das fordert, diskriminierende Bestimmungen gegen Minderheiten in der Verfassung zu ändern. Erst dann soll das Stabilitäts- und Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Bosnien in Kraft treten, und das ethnisch geteilte Land kann einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft stellen.