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Auf nach Gibraltar!

Von Reinhard Göweil

Leitartikel
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die deutsche Kanzlerin findet das für Zypern "gefundene Ergebnis richtig". Schön für sie. Die Europäische Union hat Härte demonstriert, denn das Geschäftsmodell der Banken Zyperns trug das Scheitern in sich: Eingebettet in eine Steuer- und Regulierungsoase zahlten sie Anlegern hohe Zinsen, die nur durch hochspekulative Anlagen verdient werden konnten. Das musste irgendwann schiefgehen.

Was aber wird die EU machen, wenn in Zypern die Kapitalkontrollen aufgehoben werden? Jetzt werden einmal Steuerflüchtlinge, vor allem aus Russland und der Ukraine, rasiert. Aber die werfen schon die Dieselmotoren ihrer beträchtlichen Yachten an. 1900 Seemeilen gilt es zu überbrücken bis Gibraltar. Finanzgeschäfte, Glücksspiel und Schiffsregistrierungen, dazu die weltweit zweithöchste Dichte an Steuerberatungsunternehmen bietet der Felsen an der Südspitze Spaniens. Und: Gibraltar ist als britisches Überseegebiet Teil der EU. Bwin sitzt in Gibraltar, weil die Steuern so lächerlich niedrig sind. Das finden auch 80.000 Briefkastenfirmen dort. Offshore-Finanzgeschäfte finden in einem quasi-rechtsfreien Raum statt. Wer das Licht scheut - die 29.000 Einwohner des Felsens schalten es nicht ein. Für Steuerflüchtlinge und Schwarzgeldbesitzer bietet sich Gibraltar förmlich an - und Cyprus Airways fliegt auch hin.

Wer die Berge liebt, geht eher nach Andorra. Wer Aufsichtsregeln als Teufelswerk empfindet, kann noch eine Firma in Luxemburg oder eine Stiftung in Liechtenstein dazu gründen. Und Monaco und San Marino locken mit Steuerausnahmen, die zur Regel geworden sind.

Wenn die europäischen Politiker ihre konsequente Linie bei Zypern ernst nehmen, dann müssen sie diese Steueroasen ebenso abdrehen. Rund 17 Billionen Euro (das ist die vorsichtige Schätzung) liegen in den Steueroasen weltweit herum. Der Steuerausfall daraus soll etwa 160 Milliarden Euro jährlich ausmachen.

Im Rahmen des Internationalen Währungsfonds gibt es zarte Anfänge einer stärkeren Regulierung solcher Offshore-Zentren. Bei der nächsten Sitzung der Finanzminister wäre es fein, wenn der Vorsitzende der Eurogruppe ein Konzept vorlegte, wie er gegen andere "nicht nachhaltige Geschäftsmodelle" vorzugehen gedenkt - vor allem, wenn sich diese in Europa befinden. Sonst wird der Ruf "Auf nach Gibraltar!" bei steuerunwilligen Superreichen gerne gehört.