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Auf Nebenwegen

Von Hermann Schlösser

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Schriftstellerinterviews im Radio folgen üblicherweise einem bewährten Schema: Der Interviewer fragt, der Schriftsteller antwortet, und so weiter, bis die Sendezeit vorüber ist.

Dass es auch anders geht, bewiesen die "Tonspuren" (Ö1) am Sonntagabend: Thomas David inszenierte seinen Besuch bei dem amerikanischen Romancier Philip Roth wie ein kleines Hörspiel. Zu Beginn war Straßenlärm zu hören, dann betrat man mit dem Interviewer zusammen einen Raum. Irgendwann kam Philip Roth dazu, sagte gleich, er hätte nicht allzu viel Zeit und empfahl dem Journalisten, sich mit Ross Miller in Verbindung zu setzen, der mehr über die Romane von Roth wisse als der Autor selbst. (Roths sonore Stimme war gut zu hören, da sich der deutsche Synchronsprecher kurz fasste, und den englischen O-Tönen ausreichend Gelegenheit gab, sich zu entfalten.)

Ross Miller war nicht sofort aufzutreiben, doch wurde die Mühe des Suchens ebenfalls in die Inszenierung integriert. Am Abend war es dann so weit: Ross Miller und Philip Roth saßen mit dem Interviewer zusammen beim Abendessen und plauderten über das Romanwerk des großen Schriftstellers.

Es war amüsant, dieser Annäherung auf Nebenwegen zu folgen. Und dass im Lauf der Sendung, die so beiläufig daherkam, ernsthaft über Roths Bücher gesprochen wurde, sollte über der Freude an der eleganten Gestaltung auch nicht vergessen werden. So anregend kann Radio sein, wenn sich die Gestalter etwas mehr einfallen lassen als das Übliche.